Berufsschullehrer werden als Quereinsteiger: Wege ohne Lehramtsstudium

Ein Lehramtsstudium für Berufsschulen dauert regulär 10 Semester (5 Jahre) und wird mit einem rund 16- bis 24-monatigen Vorbereitungsdienst (Referendariat) abgeschlossen. Ein Studium lässt sich nicht über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit fördern. Wer bereits einen facheinschlägigen Hochschulabschluss oder, je nach Bundesland, eine Meister- bzw. Technikerqualifikation mit Berufspraxis mitbringt, kann stattdessen über einen landesrechtlich geregelten Seiteneinstieg als Fachlehrkraft in den Schuldienst einsteigen, ohne das volle Lehramtsstudium zu durchlaufen. Laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit liegt der Medianverdienst bei 5.258 Euro brutto im Monat in Vollzeit.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Dauer: Lehramtsstudium an berufsbildenden Schulen, Regelstudiendauer 10 Semester (5 Jahre), danach zusätzlicher Vorbereitungsdienst (Referendariat) von 16 bis 24 Monaten
- Voraussetzungen: Hochschulzugangsberechtigung sowie meist eine facheinschlägige Berufsausbildung oder Berufserfahrung im gewählten beruflichen Fachgebiet werden vorausgesetzt
- Abschluss: Erste und Zweite Staatsprüfung; landesrechtlich existiert alternativ ein Seiteneinstieg als Fachlehrkraft mit facheinschlägiger Berufsausbildung statt vollem Studium
- Förderung: Ein Studium ist nach § 180 Abs. 3 SGB III nicht über den Bildungsgutschein förderfähig; für den Seiteneinstieg als Fachlehrkraft prüft das Jobcenter individuelle Wege
- Verdienst: Median 5.258 Euro brutto im Monat in Vollzeit (Entgeltatlas der BA, Spezialistenniveau, Stichtag 31.12.2025)
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Was macht ein Berufsschullehrer oder eine Berufsschullehrerin?
Berufsschullehrerinnen und Berufsschullehrer unterrichten an berufsbildenden Schulen, etwa Berufskollegs oder Berufsschulen, sowohl allgemeinbildende Fächer als auch berufsbezogene Fachrichtungen wie Elektrotechnik, Bautechnik oder Pflege. Zu den Aufgaben zählen:
- Unterricht in zwei Fächern planen und durchführen, meist einem beruflichen Schwerpunktfach und einem allgemeinbildenden Fach
- Auszubildende auf die Abschlussprüfung vor der zuständigen Kammer vorbereiten
- Lernerfolge bewerten und Zeugnisse erstellen
- Mit Ausbildungsbetrieben und Kammern im Rahmen der dualen Ausbildung zusammenarbeiten
- Im Kollegium an der Schul- und Unterrichtsentwicklung mitwirken
Weil in vielen beruflichen Fachrichtungen, besonders in technischen und MINT-Fächern, Lehrkräftemangel besteht, sind diese Fächer als Bedarfsfächer in Stellenausschreibungen besonders gefragt. Unterrichtet wird meist in zwei Fächern, weil Berufsschullehrkräfte in der Regel eine fachliche und eine pädagogisch-didaktische Ausbildung in Kombination mitbringen; viele Berufsschulen suchen gezielt nach Lehrkräften mit eigener Berufserfahrung aus Handwerk, Industrie oder Pflege, weil diese den praktischen Berufsalltag aus eigener Anschauung kennen.
Berufsschullehrer als Quereinsteiger: Seiteneinstieg ohne volles Lehramtsstudium
Ein Lehramtsstudium selbst ist nach § 180 Abs. 3 SGB III nicht über den Bildungsgutschein förderfähig, und während eines Vollzeitstudiums besteht in der Regel auch kein Anspruch auf Grundsicherungsgeld, weil ein Studium dem Grunde nach BAföG-förderfähig ist (§ 7 Abs. 5 und 6 SGB II). Einen bundesweit einheitlichen Weg ohne Studium gibt es nicht; die einzelnen Bundesländer regeln den Seiteneinstieg unterschiedlich. Gemeinsam ist meist: Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger mit facheinschlägigem Hochschulabschluss ohne Lehramt werden berufsbegleitend für den Schuldienst qualifiziert, teils ergänzt um Bewerberinnen und Bewerber mit Meisterqualifikation für bestimmte Fachrichtungen. Wer eine bereits laufende Weiterbildung zur Fachlehrkraft plant, bespricht mit der Vermittlungsfachkraft im Jobcenter, welche individuelle Unterstützung infrage kommt, etwa bei Bewerbungskosten über das Vermittlungsbudget nach § 44 SGB III. Da die berufsbegleitenden Seiteneinstiegswege in der Regel ab dem ersten Tag vergütet werden, geht der Bezug von Grundsicherungsgeld meist in eine eigene Beschäftigung über, sobald die Einstellung beim Land erfolgt ist.
Wie lange dauert der Weg zum Berufsschullehrer?
Je nach Weg unterscheidet sich die Dauer erheblich:
| Weg | Dauer |
|---|---|
| Reguläres Lehramtsstudium plus Referendariat | rund 5 Jahre Studium plus 16 bis 24 Monate Vorbereitungsdienst |
| Landesrechtlicher Seiteneinstieg als Fachlehrkraft (berufsbegleitend) | je nach Fächerverbindung 1 bis 3 Jahre |
Der reguläre Weg führt zur vollen Lehramtsbefähigung mit Erster und Zweiter Staatsprüfung. Der Seiteneinstieg als Fachlehrkraft ist ein eigener, landesrechtlich geregelter Weiterbildungsberuf, der keine volle Lehramtsbefähigung verleiht, aber zum Unterrichten in der jeweiligen Fachrichtung berechtigt. Welche Variante infrage kommt, hängt vom vorhandenen Abschluss ab: ein facheinschlägiger Hochschulabschluss öffnet meist den Weg zur vollen Lehramtsbefähigung, eine abgeschlossene Berufsausbildung mit Meisterqualifikation eher zum fachlich begrenzten Seiteneinstieg.
Quereinstieg Berufsschullehrer in NRW: OBAS, Pädagogische Einführung und Meisterprüfung
In Nordrhein-Westfalen gibt es laut Ministerium für Schule und Bildung zwei berufsbegleitende Wege in den Schuldienst. Die Ordnung des berufsbegleitenden Vorbereitungsdienstes (OBAS) dauert 2 Jahre und steht Personen mit einem nicht lehramtsbezogenen Hochschulabschluss (Universität, Fachhochschul-Master oder Kunst-/Musikhochschule) und mindestens zwei Jahren Berufserfahrung nach dem Studium offen; sie führt zur vollen Lehramtsbefähigung, gleichgestellt mit regulär ausgebildeten Lehrkräften, und ermöglicht eine Verbeamtung. Für Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen, die die OBAS-Voraussetzungen nicht erfüllen, gibt es die einjährige Pädagogische Einführung (PE): Sie führt nur zu einer Unterrichtserlaubnis für das jeweilige Fach, nicht zur vollen Lehramtsbefähigung, und zu einer tariflichen Beschäftigung statt Verbeamtung. An Schulen der Sekundarstufe I kann für die PE auch eine Meisterprüfung als fachspezifische Qualifikation ausreichen, wovon die Schulen laut Ministerium eher selten Gebrauch machen. Beide Wege laufen über eine direkte Einstellung beim Land NRW mit Vergütung, nicht über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit. In anderen Bundesländern gelten eigene, teils abweichende Regelungen; verbindliche Auskunft gibt die zuständige Bezirksregierung bzw. das Landesinstitut für Lehrerbildung vor Ort.
Gehalt und Aussichten als Berufsschullehrer
Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit weist für Berufsschullehrerinnen und Berufsschullehrer auf Spezialistenniveau einen Medianverdienst von 5.258 Euro brutto im Monat in Vollzeit aus (Stichtag 31.12.2025). Weil in technischen und gewerblichen Fachrichtungen Lehrkräftemangel herrscht, gelten die Einstellungschancen für entsprechend qualifizierte Quer- und Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger insgesamt als gut, besonders in MINT-Bedarfsfächern. Mit Verbeamtung, die in der Regel nach dem vollen Referendariat oder nach OBAS möglich ist, kommen zusätzliche Absicherungen hinzu, die bei einer rein tariflichen Beschäftigung nach der Pädagogischen Einführung nicht gelten. Wer sich unsicher ist, welcher Weg zur eigenen Qualifikation passt, findet bei der zuständigen Schulbehörde des jeweiligen Bundeslands eine individuelle Beratung, oft auch telefonisch, bevor eine Bewerbung eingereicht wird.
Alternativen zum Quereinstieg als Berufsschullehrer
Wer sich für den Unterricht an allgemeinbildenden statt berufsbildenden Schulen interessiert, etwa am Gymnasium oder an Realschulen, findet in der Umschulung bzw. dem Quereinstieg zum Lehrer die passenden Informationen zu weiteren Schulformen, bei denen sich Bewerben und Zulassung in Details unterscheiden. Wer lieber jüngere Kinder unterrichten möchte, informiert sich über den Quereinstieg zum Grundschullehrer, der ebenfalls landesrechtlich und ohne Bildungsgutschein für das Studium geregelt ist.
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Häufige Fragen
Wie wird man Berufsschullehrer als Quereinsteiger?
Über ein reguläres Lehramtsstudium mit anschließendem Referendariat oder, je nach Bundesland, über einen landesrechtlich geregelten Seiteneinstieg als Fachlehrkraft mit facheinschlägiger Berufsausbildung.
Was verdient man als Berufsschullehrer Quereinsteiger?
Laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit liegt der Median bei 5.258 Euro brutto im Monat in Vollzeit, Stichtag 31.12.2025. Bei tariflicher statt verbeamteter Beschäftigung kann die Vergütung abweichen.
Kann ich Berufsschullehrer ohne Studium werden?
Ein vollwertiges Lehramt setzt ein Studium voraus. Ohne Studium ist aber je nach Bundesland ein landesrechtlich geregelter Seiteneinstieg als Fachlehrkraft möglich, etwa in NRW die Pädagogische Einführung.
Wie läuft der Quereinstieg zum Berufsschullehrer in NRW ab?
Über die zweijährige OBAS mit vollem Hochschulabschluss und zwei Jahren Berufserfahrung oder über die einjährige Pädagogische Einführung, bei der am Berufskolleg auch eine Meisterprüfung ausreichen kann.
Wird das Lehramtsstudium vom Jobcenter gefördert?
Nein, ein Studium ist nach § 180 Abs. 3 SGB III nicht über den Bildungsgutschein förderfähig. Während des Vollzeitstudiums besteht wegen der grundsätzlichen BAföG-Förderfähigkeit in der Regel auch kein Grundsicherungsgeld.
Quellen: BERUFENET, Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit, Ministerium für Schule und Bildung NRW, Seiteneinstieg, § 180 Abs. 3 SGB III, § 7 Abs. 5 und 6 SGB II. Stand: September 2026