Weiterbildung Behandlungspflege LG1 und LG2 für Pflegehelfer

Behandlungspflege LG1 und LG2 ist kein eigener Ausbildungsberuf, sondern eine Zusatzqualifizierung für Pflegehelfer/innen ohne dreijährige Ausbildung. Wer den Lehrgang absolviert, darf ärztlich verordnete Maßnahmen wie Medikamentengabe, Blutdruckmessung, einfache Injektionen (LG1) oder erweiterte Behandlungspflege wie subkutane Injektionen und Wundversorgung (LG2) eigenständig durchführen. Manche Anbieter nennen die Zusatzqualifikation auch Fortbildung Behandlungspflege der Leistungsgruppen 1 und 2 (LG 1 und LG 2) und bieten sie sowohl in Vollzeit als auch berufsbegleitend an. Grundlage sind Landesrahmenverträge nach § 132a SGB V, am weitesten verbreitet in Nordrhein-Westfalen. Bei Bezug von Grundsicherungsgeld (bis Juni 2026 Bürgergeld) lässt sich ein AZAV-zugelassener Kurs über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit fördern.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Was: Kurse zu medizinischen Pflegemaßnahmen wie Medikamentengabe, Injektionen, Wundversorgung und Verbandswechsel, abgegrenzt von der Grundpflege
- Für wen: Pflegehelfer/-innen und Pflegefachkräfte, die zusätzliche Behandlungspflege-Kompetenzen für ambulante oder stationäre Einrichtungen nachweisen wollen
- Dauer: unterschiedlich je nach Kurs und Anbieter, von einzelnen Tagesseminaren bis zu mehrwöchigen Lehrgängen
- Förderung: als Weiterbildung mit Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit möglich, wenn Kurs und Träger nach AZAV zugelassen sind (§ 81 SGB III); erster Schritt ist das Gespräch im Jobcenter
- Wo finden: AZAV-zugelassene Bildungsträger, Kammern und Pflegeschulen bieten entsprechende Kurse regional und bundesweit an
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Was bedeuten LG1 und LG2 in der Behandlungspflege?
LG steht für Leistungsgruppe. LG1 umfasst einfachere behandlungspflegerische Maßnahmen, etwa:
- Blutdruck- und Blutzuckermessung sowie Krankenbeobachtung
- Medikamentengabe und -überwachung nach ärztlicher Verordnung
- Obstipationsprophylaxe und Flüssigkeitsbilanzierung
- Einfacher Verbandswechsel und Hygienemaßnahmen
LG2 baut darauf auf und schließt anspruchsvollere Maßnahmen ein, etwa subkutane Injektionen wie die Insulingabe, die Versorgung mit Dauerkatheter oder suprapubischem Katheter sowie den Umgang mit einer perkutanen endoskopischen Gastrostomie (PEG). Ohne die entsprechende Qualifizierung dürfen Pflegehilfskräfte solche Maßnahmen nur unter Anleitung einer dreijährig ausgebildeten Pflegefachkraft durchführen; mit Nachweis der Qualifizierung nach den Rahmenempfehlungen zu § 132a SGB V können sie diese eigenständig übernehmen.
| Leistungsgruppe | Typische Maßnahmen |
|---|---|
| LG1 | Blutdruck- und Blutzuckermessung, orale Medikamentengabe, einfacher Verbandswechsel, Krankenbeobachtung |
| LG2 | Subkutane Injektionen, Dauerkatheter- und PEG-Versorgung, komplexere Wundversorgung |
Rechtlich beruht die Einteilung nicht auf einem Bundesgesetz, sondern auf regionalen Landesrahmenverträgen der Pflegekassen nach § 132a Abs. 1 SGB V. Deshalb unterscheiden sich Bezeichnung, Inhalte und Anerkennung von Bundesland zu Bundesland; am bekanntesten ist die Regelung in Nordrhein-Westfalen. Wer in einem anderen Bundesland arbeitet, sollte vor der Anmeldung beim jeweiligen Arbeitgeber oder Pflegedienst nachfragen, ob und in welcher Form LG1/LG2-Qualifizierungen dort anerkannt werden.
Für wen ist die Weiterbildung Behandlungspflege LG1 und LG2?
Die Kurse richten sich in erster Linie an Pflegehelfer/innen ohne dreijährige Ausbildung, etwa nach einer einjährigen Pflegehelferausbildung, sowie an sonstige geeignete Kräfte mit einschlägiger Berufserfahrung im Pflegebereich. Auch Quereinsteiger/innen mit mehrjähriger Praxis in der häuslichen oder stationären Pflege kommen für viele Kursangebote infrage. Pflegefachkräfte mit dreijähriger Ausbildung benötigen die Qualifizierung in der Regel nicht, da sie Behandlungspflege bereits im Rahmen ihrer Ausbildung erlernt haben. Arbeitgeber in ambulanten Pflegediensten und Pflegeheimen fragen die Qualifizierung häufig gezielt nach, weil sie damit mehr behandlungspflegerische Einsätze ohne ständige Anleitung durch eine Fachkraft abdecken können. Für Berufsrückkehrer/innen und Quereinsteiger/innen mit einschlägiger Praxis, etwa aus der Alten- oder Familienpflege, ist der Kurs oft ein schneller Weg, um formal mehr Aufgaben übernehmen zu dürfen, ohne eine komplette Ausbildung nachzuholen.
Ablauf, Dauer und Inhalte der Kurse
Anbieter, Dauer und Kursaufbau unterscheiden sich deutlich: Manche Lehrgänge dauern nur wenige Präsenztage, andere kombinieren Präsenzunterricht mit Selbstlernphasen über mehrere Wochen. Vermittelt werden in der Regel rechtliche Grundlagen der Behandlungspflege, Krankenbeobachtung, Hygienemaßnahmen und Eigenschutz sowie die praktische Durchführung der jeweiligen LG1- bzw. LG2-Maßnahmen in Simulationen und Übungen. Am Ende steht meist eine praktische und theoretische Lernerfolgskontrolle, nach der ein Zertifikat des Bildungsträgers ausgestellt wird. Dieses Zertifikat ist keine staatliche Anerkennung wie bei einem Ausbildungsberuf, sondern ein Qualifizierungsnachweis gegenüber Arbeitgebern und Krankenkassen im Rahmen der jeweiligen Landesrahmenverträge. Manche Anbieter setzen für die Teilnahme eine abgeschlossene Berufsausbildung oder mindestens zwei Jahre Berufserfahrung im Pflegebereich voraus, andere richten sich gezielt an Personen ohne Ausbildung, die bereits als sonstige geeignete Kraft in der Pflege arbeiten. Vor der Anmeldung lohnt sich deshalb ein Blick in die Teilnahmevoraussetzungen des jeweiligen Kurses.
Behandlungspflege LG1 und LG2 über das Arbeitsamt: Förderung mit Grundsicherungsgeld
Wer Grundsicherungsgeld bezieht und die Zusatzqualifikation erwerben möchte, klärt den Bedarf zuerst mit der Vermittlungsfachkraft im Jobcenter. Den Bildungsgutschein stellt anschließend die Agentur für Arbeit aus, nicht das Jobcenter selbst.
- Beratungsgespräch im Jobcenter: Prüfung, ob die Weiterbildung für die Eingliederung notwendig ist
- Verbindliche Beratung bei der Agentur für Arbeit vor Beginn der Maßnahme (§ 81 Abs. 1 SGB III)
- Bildungsgutschein nur für einen nach AZAV zugelassenen Kurs und Träger
- Das Grundsicherungsgeld läuft während des Kurses weiter, solange Hilfebedürftigkeit besteht
Weil Behandlungspflege LG1/LG2 kein Ausbildungsberuf ist, gibt es keine Weiterbildungsprämie nach § 87a SGB III und kein Weiterbildungsgeld. Manche Arbeitgeber übernehmen die Kursgebühr auch direkt oder bezuschussen sie, insbesondere wenn sie den Kurs für bereits beschäftigte Pflegehelfer/innen benötigen. Wichtig: Das Jobcenter zahlt den Kurs nicht selbst und stellt auch keinen Bildungsgutschein aus, das übernimmt ausschließlich die Agentur für Arbeit.
Gehalt und Einsatzmöglichkeiten nach der Weiterbildung
Für die Zusatzqualifikation LG1/LG2 selbst liegen keine eigenen Entgeltatlas-Daten vor, da sie keinen eigenständigen Beruf begründet, sondern die Tätigkeit als Pflegehelfer/in erweitert. Mit der Qualifizierung übernehmen Pflegehelfer/innen mehr Verantwortung und eigenständigere Aufgaben in ambulanten Pflegediensten, Pflegeheimen oder Krankenhäusern, was bei vielen Arbeitgebern mit einer höheren Eingruppierung oder Zulage verbunden ist. Die genaue Höhe hängt vom jeweiligen Tarifvertrag oder der betrieblichen Vergütungsordnung ab und lässt sich pauschal nicht beziffern. Einsatzorte sind vor allem ambulante Pflegedienste, stationäre Pflegeeinrichtungen und die häusliche Krankenpflege, wo regelmäßig ärztlich verordnete Behandlungspflege bei Pflegebedürftigen anfällt. Weil der Bedarf an qualifiziertem Pflegepersonal hoch bleibt, verbessert die Zusatzqualifikation in der Praxis häufig auch die Chancen bei der Stellensuche, selbst wenn sie sich nicht in einer eigenen Berufsbezeichnung niederschlägt.
Alternativen zur Weiterbildung Behandlungspflege
Wer noch keine Grundqualifikation in der Pflege hat, findet mit der Umschulung zum Pflegehelfer den passenden Einstieg, der oft bereits erste Behandlungspflege-Inhalte umfasst. Wer stattdessen einen vollwertigen, dreijährigen Pflegeberuf mit Ausbildungsvergütung und deutlich höherem Verdienst anstrebt, ist mit der Umschulung zur Pflegefachkraft besser beraten, da Behandlungspflege dort integraler Bestandteil der Ausbildung ist. Wer bereits Pflegefachkraft ist und sich weiter spezialisieren möchte, findet auf der Seite Weiterbildung Pflegefachkraft passende Aufstiegswege.
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Häufige Fragen
Was bedeutet LG1 und LG2 in der Pflege?
LG steht für Leistungsgruppe. LG1 umfasst einfache Behandlungspflegemaßnahmen wie Medikamentengabe und Blutdruckmessung, LG2 erweiterte Maßnahmen wie subkutane Injektionen oder Kathederversorgung.
Was darf man mit LG1 und LG2 machen?
Mit dem Qualifizierungsnachweis dürfen Pflegehelfer/innen die jeweiligen ärztlich verordneten Behandlungspflege-Maßnahmen eigenständig durchführen, statt sie nur unter Anleitung einer Pflegefachkraft auszuführen.
Wie lange dauert die Weiterbildung Behandlungspflege LG1 und LG2?
Das ist je nach Anbieter sehr unterschiedlich, von wenigen Präsenztagen bis zu mehrwöchigen Lehrgängen mit Selbstlernanteilen. Eine bundesweit einheitliche Dauer gibt es nicht.
Was verdient ein Pflegehelfer mit LG1 und LG2?
Eigene Entgeltatlas-Zahlen gibt es dafür nicht, da die Qualifizierung keinen eigenen Beruf begründet. Viele Arbeitgeber zahlen aber eine höhere Eingruppierung oder Zulage für die erweiterte Verantwortung.
Was kostet der Behandlungspflege-Schein für LG1 und LG2?
Die Kosten variieren stark je nach Anbieter und Kursumfang. Bei Bezug von Grundsicherungsgeld kann ein AZAV-zugelassener Kurs über den Bildungsgutschein gefördert werden.
Kann man Behandlungspflege LG1 und LG2 online lernen?
Manche Anbieter kombinieren Präsenztermine mit Online- oder Selbstlernphasen. Rein online ohne jede Präsenz- oder Praxisprüfung wird die Qualifizierung in der Regel nicht anerkannt.
Quellen: § 81 SGB III, AZAV, § 132a SGB V. Stand: September 2026