Palliativbegleiter als Quereinsteiger: Ausbildung, Kosten, Jobs

Eine Umschulung zum Palliativbegleiter mit Berufsabschluss gibt es nicht: Palliativbegleiter/-in ist kein Ausbildungsberuf, sondern ein Kurs privater Anbieter, meist als Fernkurs über 9 bis 12 Monate mit einer Bescheinigung des Anbieters am Ende. Wer Grundsicherungsgeld (bis Juni 2026 Bürgergeld) bezieht, kann einen solchen Kurs nur mit Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit bezahlt bekommen, wenn er nach AZAV zugelassen und für die Arbeitsaufnahme notwendig ist. Bezahlte Stellen in der Palliativversorgung setzen meist eine pflegerische Qualifikation voraus.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Dauer: Fernlehrgänge 9 bis 12 Monate neben dem Beruf; ehrenamtlicher Vorbereitungskurs im Hospizdienst laut DHPV-Empfehlung mindestens 100 Unterrichtseinheiten über 6 bis 12 Monate
- Voraussetzungen: gesetzlich keine; Anbieter verlangen teils 23 Jahre und einen mittleren Bildungsabschluss
- Abschluss: Bescheinigung oder Zertifikat des Anbieters, kein anerkannter Berufsabschluss
- Förderung: Bildungsgutschein nur für AZAV-zugelassene Kurse und nur, wenn für die Eingliederung notwendig; keine Weiterbildungsprämie, kein Weiterbildungsgeld
- Verdienst: kein eigener Wert im Entgeltatlas; auf Helferniveau Betreuungskräfte im Median 3.203 €, Altenpflegehelfer 3.335 € brutto in Vollzeit (Stichtag 31.12.2025)
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Was macht ein Palliativbegleiter?
Palliativbegleiter und Palliativbegleiterinnen übernehmen die Betreuung und Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen im letzten Lebensabschnitt und unterstützen ihre An- und Zugehörigen. Palliative Care folgt der WHO-Definition: Es geht nicht mehr um Heilung, sondern um Linderung und Lebensqualität. Palliativbegleitung ist dabei der psychosoziale Teil der palliativen Betreuung, zum Beispiel:
- da sein, zuhören, Gespräche über Sterben und Tod führen
- Wünsche und Bedürfnisse wahrnehmen und an das Team weitergeben
- Angehörige entlasten, auch nach dem Tod in der ersten Trauer
- Biografiearbeit, Rituale und Abschied gestalten
- mit Pflege, Ärzten und Seelsorge zusammenarbeiten
Palliativpflege, Medikamente und Symptomkontrolle bleiben Sache von Pflege und Ärzten. Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung nach § 37b SGB V besteht aus ärztlichen und pflegerischen Leistungen. Begleitet wird zu Hause, in Pflegeheimen, im stationären Hospiz und im Krankenhaus. Im Gesetz kommt die Begleitung als qualifizierte ehrenamtliche Sterbebegleitung vor, die ambulante Hospizdienste leisten und die Krankenkassen nach § 39a Abs. 2 SGB V fördern.
Palliativbegleiter werden: Voraussetzungen für Quereinsteiger
Einen gesetzlich geregelten Zugang gibt es nicht: BERUFENET, das Berufelexikon der Bundesagentur für Arbeit, führt keinen Beruf dieses Namens, und bei der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) stehen solche Kurse unter den Angeboten ohne berufsqualifizierenden Abschluss. Die Voraussetzungen legen deshalb die Anbieter fest. Mehrere bei der Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) zugelassene Fernlehrgänge verlangen ein Mindestalter von 23 Jahren, als Schulabschluss ist ein mittlerer Bildungsabschluss gefordert, und erste Berufserfahrung im pädagogischen, sozialen oder therapeutischen Bereich wird empfohlen. Wer schon im Gesundheitswesen oder Sozialwesen arbeitet, kann den Lehrgang als Zusatzqualifikation nutzen.
Wichtiger als Zeugnisse ist die persönliche Eignung. Wer Sterbende begleitet, braucht psychische Stabilität, Einfühlungsvermögen, Kommunikationsfähigkeit, Offenheit gegenüber anderen Lebensentwürfen und die Fähigkeit, die eigenen Grenzen zu kennen, damit es nicht zu Überlastung und Burnout kommt. Klären Sie vorher ehrlich Ihr eigenes Verhältnis zum Tod. Ein Praktikum oder eine Hospitation in einem Hospiz oder Pflegeheim zeigt Ihnen, ob diese Arbeit zu Ihnen passt.
Palliativbegleiter Ausbildung: Dauer, Inhalte und Kosten
Hinter der Palliativbegleiter Ausbildung stehen vier verschiedene Wege. Drei davon stützen sich auf Vorgaben der Kranken- und Pflegekassen, der Fernkurs nicht:
| Weg | Umfang | Kosten | Anerkennung |
|---|---|---|---|
| Fernkurs Palliativbegleiter/-in | 9-12 Monate, 122 bis 637 Stunden Gesamtaufwand | 1.341 bis 2.268 € laut ZFU | Bescheinigung des Anbieters, ohne Prüfung |
| Vorbereitungskurs für ehrenamtliche Hospizbegleiter | mind. 100 UE plus Praktikum (Empfehlung des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbands) | beim Hospizdienst erfragen | Pflicht vor dem Einsatz im ambulanten Hospizdienst |
| Betreuungskraft nach § 53b SGB XI | 40 Std. Orientierungspraktikum, 160 UE, 2 Wochen Praktikum | je nach Anbieter | Richtlinie der Pflegekassen, Arbeit in Pflegeheimen |
| Palliative Care für Fachkräfte | mind. 160 UE (Pflege), 120 UE (Studium etwa der Sozialen Arbeit) | je nach Anbieter | Rahmenvereinbarungen nach § 39a SGB V, nur mit Pflegeexamen oder Studium |
Die Lehrgangsinhalte der Fernkurse ähneln sich: Kranksein, Sterben, Tod und Trauer als psychosoziale Herausforderung, Begleitung von sterbenden Menschen und ihren Angehörigen, Menschen mit Demenz, Ethik und Recht, interprofessionelle Zusammenarbeit, Palliative Care und Lebenssinn sowie Self Care. Ein Kurs behandelt ausdrücklich die Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland. Mehrere Lehrgänge enden mit einem dreitägigen Präsenzseminar von 24 Unterrichtsstunden, einer bietet eine Vollzeitvariante über fünf Wochen an. Selbstzahler zahlen laut ZFU Raten von 149 € über neun bis 189 € über zwölf Monate.
Umschulung zum Palliativbegleiter über das Arbeitsamt: Förderung mit Grundsicherungsgeld
Seit dem 1. Januar 2025 entscheidet die Agentur für Arbeit (früher Arbeitsamt) auch für Menschen im Grundsicherungsgeld über die Förderung und stellt den Bildungsgutschein aus; das Jobcenter bleibt Ihr Ansprechpartner für Beratung und Vermittlung. Die Förderung nach § 81 SGB III ist eine Kann-Leistung mit drei Bedingungen: Der Kurs muss für Ihre berufliche Eingliederung notwendig sein, Sie müssen vorher beraten worden sein, und Kurs und Träger müssen nach AZAV zugelassen sein. Die ZFU-Zulassung ersetzt die AZAV nicht.
In mein NOW, der Weiterbildungssuche der Bundesagentur, gibt es unter dem Suchwort Palliativbegleiter nur wenige Angebote, einzelne mit der Förderart Bildungsgutschein. Förderfähig heißt aber nicht bewilligt: Die Agentur prüft, ob Sie mit dem Kurs realistisch eine Stelle finden. Weil Stellen meist eine Pflegequalifikation verlangen, kann sie stattdessen die Qualifizierung zur Betreuungskraft oder eine Umschulung in der Pflege vorschlagen. Ohne verwertbaren Berufsabschluss haben Sie unter den Voraussetzungen des § 81 Abs. 2 SGB III sogar Anspruch auf eine Umschulung mit Berufsabschluss, etwa zur Pflegefachkraft, nicht aber auf den Palliativkurs. So gehen Sie vor:
- Sprechen Sie Ihre Vermittlungsfachkraft an (Arbeitsvermittlung) und bringen Sie Stellenangebote mit, für die der Kurs gefordert wird.
- Die Agentur für Arbeit berät Sie und prüft Notwendigkeit und Eignung.
- Suchen Sie in mein NOW einen Kurs mit der Förderart Bildungsgutschein.
- Die Agentur stellt den Bildungsgutschein aus. Er ist eine Zusicherung und gilt höchstens drei Monate. Beginnen Sie erst, wenn Sie ihn haben (§ 81 Abs. 4 SGB III).
- Melden Sie den Kursbeginn Ihrem Jobcenter.
Was mit dem Grundsicherungsgeld passiert
Ihr Lebensunterhalt läuft über das Grundsicherungsgeld weiter, solange Sie hilfebedürftig sind (BA-Merkblatt 6). Weiterbildungsprämie und Weiterbildungsgeld von 150 € im Monat gibt es nicht, denn § 87a SGB III zahlt beides nur bei einem Abschluss in einem Ausbildungsberuf. Können Sie Ihren bisherigen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben, kann die Deutsche Rentenversicherung als Träger der Teilhabe am Arbeitsleben zuständig sein (siehe Menschen mit Behinderung). Wer ehrenamtlich begleiten möchte, braucht keinen Gutschein: Den Vorbereitungskurs organisiert der Hospizdienst und kann die Kosten als Personalkosten in seine Förderung einbringen, die zu den Leistungen der Krankenkassen gehört.
Palliativbegleiter Gehalt und Stellenangebote: Arbeiten im Hospiz als Quereinsteiger
Eine Stelle als Palliativbegleiter gibt es praktisch nicht. In der Jobbörse der Bundesagentur findet die Suche nach Palliativbegleiter kaum etwas. Unter dem Stichwort Hospiz stehen einige hundert Angebote, gesucht werden vor allem Pflegefachkräfte, oft mit Palliativ-Zusatzqualifikation, dazu Sozialarbeiter. Nur ein kleiner Teil ist für Quereinsteiger geöffnet, überwiegend in Hauswirtschaft, Reinigung und Haustechnik, dazu einzelne Stellen als Pflegehilfskraft und als Betreuungskraft nach § 43b SGB XI.
Das spiegelt die Vorgaben: Im stationären Hospiz muss nach der Rahmenvereinbarung der Krankenkassen rund um die Uhr eine Pflegefachkraft anwesend sein. Daneben arbeiten dort Krankenpflegehelfer, psychosoziale Fachkräfte mit Studium, Verwaltung, Hauswirtschaft und Ehrenamtliche. Ohne Pflegeabschluss führt der Weg ins Hospiz also über Pflegehilfe, Hauswirtschaft oder das Ehrenamt.
Ein Palliativbegleiter Gehalt weist der Entgeltatlas der BA nicht aus. Zum Vergleich die Medianentgelte in Vollzeit (Stichtag 31.12.2025): Betreuungskräfte und Alltagsbegleiter 3.203 € brutto im Monat, Helfer in der Altenpflege 3.335 €, Helfer in der Gesundheits- und Krankenpflege 3.596 €, Fachkräfte in der Altenpflege 4.438 € und Fachkrankenpfleger, zu denen auch die Palliativ- und Hospizpflege zählt, 5.057 €.
Alternativen zur Palliativbegleiter Ausbildung
Wer Menschen am Lebensende begleiten und davon leben möchte, kommt so eher in bezahlte Arbeit: die Umschulung zur Betreuungskraft bzw. die Weiterbildung zur Betreuungskraft, den Alltagsbegleiter, die Umschulung zum Pflegehelfer oder die Umschulung zur Pflegefachkraft bzw. Altenpflege. Examinierte Pflegekräfte finden die fachliche Vertiefung in der Weiterbildung Palliative Care. Näher am Abschied nach dem Tod liegt die Umschulung zum Bestatter, psychosozial arbeiten Sie im Hospiz mit einem Studium der Sozialen Arbeit. Weitere Berufe zeigt die Übersicht der Umschulungsberufe.
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Häufige Fragen
Wie wird man Palliativbegleiter?
Über einen Kurs: entweder einen Fernlehrgang eines privaten Anbieters oder den Vorbereitungskurs eines ambulanten Hospizdienstes für die ehrenamtliche Sterbebegleitung. Eine Prüfung vor einer Kammer oder Behörde gibt es nicht. Wer beruflich im Hospiz arbeiten will, braucht meist zusätzlich eine Qualifikation in der Pflege oder Betreuung.
Kann man als Quereinsteiger Sterbebegleiter werden?
Ja, im Ehrenamt ist das der Normalfall. Ambulante Hospizdienste bereiten Interessierte aus allen Berufen darauf vor, schwerstkranke und sterbende Menschen würdevoll zu begleiten, der Empfehlung des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbands nach mindestens 100 Unterrichtseinheiten plus Praktikum über 6 bis 12 Monate. Ohne einen Befähigungskurs dürfen Ehrenamtliche im geförderten Hospizdienst nicht begleiten.
Was verdient ein Palliativbegleiter?
Für Palliativbegleiter gibt es weder einen Tarif noch einen Wert im Entgeltatlas der BA. Bezahlt wird nach dem Grundberuf: Betreuungskräfte verdienen in Vollzeit im Median 3.203 € brutto, Altenpflegehelfer 3.335 €.
Wie hoch sind die Kosten für eine Ausbildung zum Palliativbegleiter?
Die bei der ZFU zugelassenen Fernlehrgänge kosten 1.341 bis 2.268 €, zahlbar in 9 bis 12 Monatsraten. Prüfungsgebühren fallen dort nicht an. Mit einem Bildungsgutschein übernimmt die Agentur für Arbeit die Kosten, wenn der Kurs nach AZAV zugelassen ist und sie ihn für Ihre Eingliederung für notwendig hält.
Kann man Palliativbegleiter im Fernstudium werden?
Ja, aber es ist kein Studium, sondern Fernunterricht. Die ZFU hat mehrere Lehrgänge Palliativbegleiter/-in zugelassen; die Zulassung prüft Lehrgang und Vertrag, einen anerkannten Berufsabschluss macht sie daraus nicht. Gelernt wird mit rund 3 bis 12 Stunden pro Woche zu Hause, teils ergänzt durch Online-Seminare und ein Präsenzseminar.
Gibt es eine staatlich anerkannte Ausbildung zum Palliativbegleiter?
Nein. Landesrechtlich geregelt ist nur eine Fachweiterbildung für examinierte Pflegekräfte, laut BERUFENET für die Krankenpflege in fünf Ländern, etwa in Hessen als Fachpfleger für Palliative Versorgung. Für Menschen ohne Pflegeberuf ist die Qualifizierung zur Betreuungskraft nach der Richtlinie der Pflegekassen der am klarsten geregelte Einstieg.
Quellen: ZFU-Lehrgangsdatenbank, Zulassungsnummern 7291115, 7301816, 7430722, 7512725 (abgerufen 29.09.2026), DGP: Bildungswege für Palliativversorger:innen, DHPV: Rahmenempfehlung zur qualifizierten Vorbereitung Ehrenamtlicher (2021), Rahmenvereinbarung ambulante Hospizarbeit nach § 39a Abs. 2 SGB V (§§ 3-5, Fassung 21.11.2022), Rahmenvereinbarung stationäre Hospizversorgung nach § 39a Abs. 1 SGB V (§§ 7, 8, Fassung 18.11.2024), Betreuungskräfte-Richtlinien nach § 53b SGB XI (§§ 4, 5), SGB V (§§ 37b, 39a), § 43b SGB XI, SGB III (§§ 81, 87a), BERUFENET Betreuungskraft/Alltagsbegleiter, BERUFENET Fachkrankenpfleger/in Palliativ- und Hospizpflege, Entgeltatlas der BA (KldB 83141, 82101, 81301, 82102, 81313), mein NOW Weiterbildungssuche und Jobbörse der BA (Abfragen vom 29.09.2026), BA-Merkblatt 6 Weiterbildung (Januar 2026). Stand: September 2026