Wirtschaftsinformatiker werden ohne Studium: Weg über die Fachschule

Ein Hochschulstudium der Wirtschaftsinformatik lässt sich nicht über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit fördern, weil Studiengänge von der Förderung nach § 180 Abs. 3 SGB III ausgeschlossen sind. Wer bereits eine einschlägige Berufsausbildung und Berufspraxis mitbringt, kann stattdessen die landesrechtlich geregelte Fachschulweiterbildung zum Staatlich geprüften Wirtschaftsinformatiker/zur Staatlich geprüften Wirtschaftsinformatikerin absolvieren, die je nach Bundesland einen anderen Titel trägt (in Bayern z. B. Bachelor Professional in Wirtschaft) und bislang nur in einigen Bundesländern rechtlich geregelt ist. Sie dauert in Vollzeit 2 Jahre, in Teilzeit 3 bis 4 Jahre. Nach dem Abschluss liegt der Medianverdienst laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit bei 5.693 Euro brutto im Monat in Vollzeit.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Dauer: landesrechtlich geregelte Fachschulweiterbildung, Vollzeit 2 Jahre, in Teilzeit 3 bis 4 Jahre
- Voraussetzungen: abgeschlossene einschlägige Berufsausbildung (z. B. Fachinformatiker/-in) und/oder entsprechende Berufspraxis, Regeln unterscheiden sich je nach Bundesland
- Abschluss: landesrechtlich geregelter Abschluss, z. B. Staatlich geprüfter Wirtschaftsinformatiker (Bachelor Professional in Wirtschaft), Bezeichnung je nach Bundesland unterschiedlich
- Förderung: Vollzeit-Fachschule ist oft dem Grunde nach BAföG-fähig, das kann das Grundsicherungsgeld einschränken (§ 7 Abs. 5/6 SGB II); Teilzeitmodelle über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit prüfen
- Verdienst: Median 5.693 Euro brutto im Monat in Vollzeit (Entgeltatlas der BA, Spezialistenniveau der Berufsgattung 43113, Stichtag 31.12.2025)
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Was macht ein Wirtschaftsinformatiker oder eine Wirtschaftsinformatikerin?
Wirtschaftsinformatiker/innen verbinden Wissen aus der Informatik mit Betriebswirtschaftslehre (BWL) und entwickeln und betreuen betriebliche Informationssysteme. Zu den Aufgaben zählen:
- betriebswirtschaftliche Anwendungen programmieren, Software anpassen und Datenbanken erstellen
- webbasierte Systeme entwickeln und einführen
- Kunden und Kundinnen sowie Fachabteilungen beraten und IT-Systeme analysieren
- Anpassungsbedarf ermitteln und Schwachstellen im Informationsmanagement aufdecken
- Daten verwalten, archivieren und die Datensicherheit prüfen
- neue Systeme testen, Nutzende schulen und EDV-Support leisten
Beschäftigt sind Wirtschaftsinformatiker und Wirtschaftsinformatikerinnen in erster Linie in Unternehmen, die IT-gestützte betriebliche Kommunikations- und Informationssysteme entwickeln, sowie in Betrieben nahezu aller Wirtschaftsbereiche und in der öffentlichen Verwaltung. Gearbeitet wird meist in Büroräumen, teils auch in IT-Labors, Schulungsräumen oder im Homeoffice.
Wirtschaftsinformatiker werden ohne Studium: Voraussetzungen für die Fachschule
Voraussetzung für die Aufnahme in eine Fachschule ist in der Regel entweder die Abschlussprüfung in einem einschlägigen anerkannten Ausbildungsberuf, etwa Fachinformatiker/in, einschließlich des Berufsschulabschlusses, sowie entsprechende Berufspraxis, oder ein Berufsschulabschluss mit mindestens fünfjähriger einschlägiger Berufspraxis. Schulische Mindestvoraussetzung ist in der Regel ein mittlerer Bildungsabschluss, die genauen Regeln hängen vom jeweiligen Bundesland ab. Eine Teilnahme an Vorbereitungslehrgängen ist für die Kammerprüfung nicht verpflichtend; wer sich das nötige Wissen selbst oder berufsbegleitend aneignet, kann die Prüfung auch ohne Fachschulbesuch ablegen. Diese Fachschulweiterbildung ist damit kein Weg für Berufseinsteiger/innen ohne IT- oder kaufmännische Vorqualifikation. Wer die Voraussetzungen erfüllt, bringt idealerweise analytisches Denkvermögen, Interesse an Informatik und digitaler Transformation sowie mathematisches Verständnis mit, da die Inhalte Programmierung, Datenbanken und betriebswirtschaftliche Zusammenhänge gleichermaßen umfassen.
Wie lange dauert die Weiterbildung zum Wirtschaftsinformatiker?
Die Weiterbildungsdauer hängt davon ab, ob in Vollzeit oder Teilzeit gelernt wird:
| Form | Dauer |
|---|---|
| Fachschule in Vollzeit | 2 Jahre |
| Fachschule in Teilzeit | 3 bis 4 Jahre |
Eine gesetzliche Verkürzung wie bei der dualen Erstausbildung nach § 180 Abs. 4 SGB III ist hier nicht einschlägig, weil es sich um eine Fortbildung auf einer bereits abgeschlossenen Berufsausbildung aufbaut, nicht um eine Umschulung in einen neuen Ausbildungsberuf. Inhaltlich vermittelt die Fachschule unter anderem Informationstechnik und Computertechnik, Betriebswirtschaftslehre, Systembetreuung und -administration sowie Wirtschaftsrecht und Berufs- und Arbeitspädagogik als fachrichtungsübergreifenden Teil.
Wirtschaftsinformatiker über das Arbeitsamt: Förderung mit Grundsicherungsgeld
Wer Grundsicherungsgeld bezieht und die Fachschulweiterbildung zum Wirtschaftsinformatiker machen möchte, klärt den Bedarf zuerst mit der Vermittlungsfachkraft im Jobcenter, bevor die Agentur für Arbeit über die Förderung entscheidet. Bei der Vollzeit-Fachschule ist jedoch Vorsicht geboten: Ist die Ausbildung dem Grunde nach BAföG-förderfähig und liegt kein Bildungsgutschein vor, entfällt das Grundsicherungsgeld bis auf Zuschüsse (§ 7 Abs. 5 SGB II). Ergänzendes Grundsicherungsgeld gibt es nur, wenn Schüler-BAföG tatsächlich bezogen oder beantragt wurde oder es ausschließlich wegen Einkommen oder Vermögen versagt wird (§ 7 Abs. 6 Nr. 2 SGB II); ab 45 Jahren entfällt der BAföG-Anspruch in der Regel ohnehin (§ 10 Abs. 3 BAföG), der Ausschluss vom Grundsicherungsgeld greift aber trotzdem. Unabhängig vom Grundsicherungsgeld lässt sich die Fachschulweiterbildung als Aufstiegsfortbildung grundsätzlich über das Aufstiegs-BAföG (AFBG) fördern, das als Zuschuss und Darlehen gewährt wird und nicht vom SGB-II-Bezug abhängt (§ 2 Abs. 1 AFBG); ob die jeweilige Fachschule die Voraussetzungen erfüllt, klärt die zuständige Aufstiegs-BAföG-Stelle. Teilzeitmodelle, bei denen weiter gearbeitet oder Arbeitslosigkeit vermieden wird, lassen sich dagegen unter den üblichen Voraussetzungen über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit fördern (§ 81 Abs. 1 SGB III). Eine Weiterbildungsprämie nach § 87a SGB III ist bei dieser Fortbildung nicht vorgesehen, weil sie keinen Abschluss in einem Ausbildungsberuf mit Erstqualifikation, sondern eine Fortbildung auf einer vorhandenen Berufsausbildung vermittelt.
Was verdient ein Wirtschaftsinformatiker? Gehalt und Aussichten
Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit weist für Wirtschaftsinformatiker und Wirtschaftsinformatikerinnen auf Spezialistenniveau einen Medianverdienst von 5.693 Euro brutto im Monat in Vollzeit aus (Stichtag 31.12.2025). Weil Unternehmen in nahezu allen Wirtschaftsbereichen und die öffentliche Verwaltung IT-gestützte Informationssysteme brauchen, gelten die Jobaussichten nach der Weiterbildung als gut. Mit Berufserfahrung sind Aufstiege in Projektleitung, IT-Beratung oder Informationsmanagement möglich. Auch eine Spezialisierung auf Themen wie IT-Sicherheit, Projektmanagement oder die Arbeit mit großen Datenmengen (Big Data) kann Verantwortung und Verdienst zusätzlich steigern, je nach Unternehmen und Branche.
Alternativen: Fachinformatiker/in und Kaufmann/-frau für Digitalisierungsmanagement
Wer noch keine einschlägige IT- oder kaufmännische Berufsausbildung hat, kommt für die Fachschule Wirtschaftsinformatik gar nicht erst infrage und braucht zunächst einen anerkannten Ausbildungsberuf als Grundlage. Ein verbreiteter Weg ist die Umschulung zum Fachinformatiker mit Schwerpunkt Anwendungsentwicklung, ein dreijähriger IHK-Ausbildungsberuf, der sich wie andere duale Ausbildungsberufe über § 180 Abs. 4 SGB III verkürzt fördern lässt. Daneben gibt es seit 2020 den Ausbildungsberuf Kaufmann/Kauffrau für Digitalisierungsmanagement, der betriebswirtschaftliches und digitales Grundwissen verbindet. Beide Berufe sind spätere Zugangsvoraussetzungen für die hier beschriebene Fachschulweiterbildung, nicht deren Ersatz. Wer bereits eine kaufmännische oder technische Ausbildung in einem anderen Bereich hat, kann je nach Bundesland und Fachschule unter Umständen ebenfalls zugelassen werden; das klärt am besten ein Beratungsgespräch bei der zuständigen Fachschule oder Kammer.
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Häufige Fragen
Kann man für ein Wirtschaftsinformatik-Studium einen Bildungsgutschein bekommen?
Nein, Hochschulstudiengänge sind nach § 180 Abs. 3 SGB III grundsätzlich von der Förderung durch die Agentur für Arbeit ausgeschlossen. Gefördert werden kann stattdessen die landesrechtliche Fachschulweiterbildung in Teilzeit.
Wie lange dauert die Weiterbildung zum staatlich geprüften Wirtschaftsinformatiker?
In Vollzeit dauert die Fachschulweiterbildung 2 Jahre, in Teilzeit 3 bis 4 Jahre. Die genaue Dauer und Organisation hängen vom jeweiligen Bundesland und der Fachschule ab.
Welche Voraussetzungen braucht man für die Fachschule Wirtschaftsinformatik?
In der Regel eine abgeschlossene einschlägige Berufsausbildung mit Berufspraxis oder mehrjährige einschlägige Berufserfahrung ohne Ausbildung. Schulisch wird meist mindestens ein mittlerer Bildungsabschluss vorausgesetzt.
Was verdient ein Wirtschaftsinformatiker?
Laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit liegt der Median bei 5.693 Euro brutto im Monat in Vollzeit, Stichtag 31.12.2025, auf Spezialistenniveau und damit über vielen anderen IT-Berufen.
Sind Wirtschaftsinformatiker noch gefragt?
Ja, weil Unternehmen aus nahezu allen Branchen und die öffentliche Verwaltung IT-gestützte betriebliche Informationssysteme benötigen, bleibt die Nachfrage nach entsprechend qualifizierten Fachkräften hoch.
Welche Alternativen gibt es, wenn man noch keine IT-Ausbildung hat?
Einstiegswege sind anerkannte Ausbildungsberufe wie Fachinformatiker/in Anwendungsentwicklung oder Kaufmann/Kauffrau für Digitalisierungsmanagement. Beide lassen sich als Umschulung über den Bildungsgutschein fördern und sind Zugangsvoraussetzung für die spätere Fachschule.
Quellen: BERUFENET, Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit, § 7 SGB II, § 180 SGB III, § 10 Abs. 3 BAföG. Stand: September 2026