Umschulung Versicherungskaufmann: Dauer und Förderung

Die Umschulung zum Kaufmann bzw. zur Kauffrau für Versicherungen und Finanzanlagen - so heißt der frühere Versicherungskaufmann seit der letzten Neuordnung - dauert als verkürzte Umschulung rund 2 statt regulär 3 Jahre und endet mit einer IHK-Prüfung nach der Ausbildungsverordnung VersFinKflAusbV. Wer Grundsicherungsgeld (bis Juni 2026 Bürgergeld) bezieht, kann die Umschulung über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit fördern lassen. Nach dem Abschluss liegt der Medianverdienst laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit bei 5.534 Euro brutto im Monat in Vollzeit.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Dauer: Regulär 3 Jahre, als Umschulung um ein Drittel verkürzt auf rund 2 Jahre (§ 180 Abs. 4 SGB III)
- Voraussetzungen: gesetzlich ist keine bestimmte Vorbildung vorgeschrieben, Versicherungsunternehmen wählen ihre Auszubildenden nach eigenen Kriterien aus
- Abschluss: IHK-Prüfung zum Kaufmann/zur Kauffrau für Versicherungen und Finanzanlagen nach der Ausbildungsverordnung (VersFinKflAusbV), anerkannter kaufmännischer Ausbildungsberuf
- Förderung: Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit für die verkürzte Umschulung, Weiterbildungsprämie 1.000/1.500 Euro möglich, Start ist das Jobcenter-Gespräch, NIE zahlt das Jobcenter selbst
- Verdienst: Median 5.534 Euro brutto im Monat in Vollzeit (Entgeltatlas der BA, Fachkraftniveau der Berufsgattung 72132, Stichtag 31.12.2025)
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Was macht ein Kaufmann oder eine Kauffrau für Versicherungen und Finanzanlagen?
Kaufleute für Versicherungen und Finanzanlagen beraten Kundschaft zu Versicherungsprodukten und Finanzanlagen und wickeln Verträge im Innen- oder Außendienst ab. Zu den typischen Aufgaben zählen:
- Kundschaft zu Versicherungsschutz und Finanzanlagen beraten und passende Produkte vorschlagen
- Verträge abschließen, ändern und verwalten
- Schadensfälle aufnehmen und mit der Schadenabteilung abstimmen
- Markt- und Wettbewerbsentwicklungen beobachten
- Bestandskundschaft betreuen und neue Kundschaft akquirieren
Gearbeitet wird überwiegend im Büro bei Versicherungsunternehmen, Maklerbüros oder Banken, im Außendienst auch bei Kundschaft vor Ort. Je nach Arbeitgeber spezialisieren sich Kaufleute für Versicherungen und Finanzanlagen auf bestimmte Sparten, etwa Lebens-, Kranken- oder Sachversicherungen, oder auf Finanzanlagen wie Investmentfonds und Altersvorsorgeprodukte.
Zugangsvoraussetzungen für den Quereinstieg als Versicherungskaufmann
Rechtlich schreibt die Ausbildungsverordnung keinen bestimmten Schulabschluss vor; Versicherungsunternehmen wählen ihre Auszubildenden und Umschüler/innen nach eigenen Kriterien aus. Persönlich wichtig sind kaufmännisches Denken, Kommunikationsstärke und Freude an Kundenberatung; dazu bringen Sie am besten Zahlenverständnis für Tarife und Finanzprodukte mit. Quereinsteiger/innen mit Erfahrung im Verkauf, in der Kundenbetreuung oder im Bankwesen bringen dafür oft gute Grundlagen mit. Wer bereits gute EDV-Kenntnisse und sichere Deutschkenntnisse mitbringt, kommt in der Prüfungsvorbereitung meist schneller voran, weil viele Lerninhalte auf schriftlichen Auswertungen und Vertragsunterlagen aufbauen. Manche Bildungsträger setzen zusätzlich einen Eignungstest voraus, der kaufmännisches Grundverständnis, Rechtschreibung und Zahlenverständnis prüft; ob und in welcher Form dieser stattfindet, entscheidet der jeweilige Anbieter, nicht die Agentur für Arbeit einheitlich.
Ablauf, Dauer und Ausbildungsinhalte der Umschulung zum Versicherungskaufmann
Die reguläre duale Ausbildung dauert 3 Jahre und findet im Wechsel zwischen Betrieb und Berufsschule statt. Als Umschulung wird sie nach § 180 Abs. 4 Satz 1 SGB III grundsätzlich um ein Drittel verkürzt:
| Ausbildungsform | Dauer |
|---|---|
| Reguläre duale Ausbildung | 3 Jahre |
| Umschulung (verkürzt) | rund 2 Jahre |
Vermittelt werden unter anderem Vertragsrecht, Versicherungs- und Finanzprodukte, Kundenberatung sowie betriebswirtschaftliche Grundlagen. Die Abschlussprüfung findet gestreckt statt: Teil 1 muss laut Verordnung spätestens vier Monate vor Teil 2 abgelegt werden, Teil 2 findet am Ende der Umschulung statt (§ 6 VersFinKflAusbV). Die meisten Bildungsträger bieten die Umschulung sowohl in Vollzeit als auch berufsbegleitend in Teilzeit an, wobei sich die Dauer in Teilzeit entsprechend verlängert.
Umschulung Versicherungskaufmann über das Arbeitsamt: Förderung mit Grundsicherungsgeld
Wer Grundsicherungsgeld bezieht und sich zum Kaufmann/zur Kauffrau für Versicherungen und Finanzanlagen umschulen lassen möchte, klärt den Bedarf zuerst mit der Vermittlungsfachkraft im Jobcenter. Den Bildungsgutschein stellt anschließend die Agentur für Arbeit aus, nicht das Jobcenter selbst.
- Beratungsgespräch im Jobcenter: Prüfung, ob die Umschulung für die Eingliederung notwendig ist
- Verbindliche Beratung bei der Agentur für Arbeit vor Beginn der Maßnahme (§ 81 Abs. 1 SGB III)
- Bildungsgutschein für einen nach AZAV zugelassenen Bildungsträger oder einen Betrieb mit Ausbildungsberechtigung, jeweils für die verkürzte 2-jährige Umschulung
- Das Grundsicherungsgeld läuft während der Umschulung weiter, solange Hilfebedürftigkeit besteht
- Nach bestandenem ersten Teil der gestreckten Abschlussprüfung zahlt die Agentur eine Weiterbildungsprämie von 1.000 Euro, nach dem zweiten Teil (Abschlussprüfung) 1.500 Euro (§ 87a SGB III), zusätzlich 150 Euro Weiterbildungsgeld im Monat für Arbeitslose
Die Prämien und das Weiterbildungsgeld gelten als privilegiertes Einkommen und werden nicht auf das Grundsicherungsgeld angerechnet. Wichtig: Das Jobcenter zahlt die Umschulung nicht selbst und stellt auch keinen Bildungsgutschein aus, das übernimmt ausschließlich die Agentur für Arbeit. Ein Eignungstest der Agentur für Arbeit vor Bewilligung ist möglich, aber keine bundesweit einheitliche Pflicht für jede Umschulung; ob er verlangt wird, entscheidet die zuständige Agentur im Einzelfall.
Gehalt und Aussichten als Versicherungskaufmann
Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit weist für die Berufsgattung 72132 auf Fachkraftniveau einen Medianverdienst von 5.534 Euro brutto im Monat in Vollzeit aus (Stichtag 31.12.2025). Weil Versicherungsunternehmen, Maklerbüros und Banken bundesweit kaufmännische Fachkräfte suchen, gelten die Jobaussichten nach der Umschulung als gut. Mit Berufserfahrung und Weiterbildung, etwa zum Versicherungsfachwirt/zur Versicherungsfachwirtin, lassen sich Verantwortung und Verdienst langfristig weiter steigern. Wer in den Außendienst wechselt, kann zusätzlich provisionsabhängig verdienen, trägt dafür aber auch ein schwankenderes Einkommen. Der genaue Verdienst hängt zudem von Unternehmensgröße und Spezialisierung ab: Wer sich auf komplexe Finanzanlagen oder Firmenkundschaft spezialisiert, verdient in der Regel mehr als in der reinen Privatkundenberatung im Innendienst.
Alternativen zur Umschulung Versicherungskaufmann
Wer sich eher für Bankgeschäfte statt Versicherungen interessiert, findet mit der Umschulung zum Bankkaufmann einen verwandten, aber branchenspezifisch anderen Weg. Wer allgemeine Büro- und Verwaltungsaufgaben statt Versicherungsberatung übernehmen möchte, ist mit der Umschulung zum Kaufmann für Büromanagement gut beraten. Wer sich für Immobiliengeschäfte statt Versicherungen interessiert, findet mit der Umschulung zum Immobilienkaufmann einen weiteren kaufmännischen Weg. Alle Umschulungen dauern verkürzt rund 2 Jahre und lassen sich über den Bildungsgutschein fördern, unterscheiden sich aber deutlich in Branche und späterem Berufsalltag. Welcher Weg am besten passt, hängt vor allem davon ab, ob eher Beratung und Verkauf oder eher Verwaltung und Organisation im Vordergrund stehen sollen.
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Häufige Fragen
Wie lange dauert die Umschulung zum Versicherungskaufmann?
Als verkürzte Umschulung dauert sie rund 2 Jahre statt der regulären 3 Jahre, geregelt in § 180 Abs. 4 SGB III. Die Umschulung findet im Wechsel zwischen Betrieb und Berufsschule statt.
Kann man als Quereinsteiger bei einer Versicherung arbeiten?
Ja. Gesetzlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben, Versicherungsunternehmen wählen ihre Auszubildenden und Umschüler/innen nach eigenen Kriterien aus.
Welche Voraussetzungen braucht man, um Versicherungskaufmann zu werden?
Kaufmännisches Denken, Kommunikationsstärke und Freude an Kundenberatung sind wichtiger als ein bestimmter Schulabschluss. Versicherungsunternehmen entscheiden individuell über die Zulassung zur Umschulung.
Was verdient ein Versicherungskaufmann nach der Umschulung?
Laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit liegt der Median bei 5.534 Euro brutto im Monat in Vollzeit, Stichtag 31.12.2025. Unternehmen, Innen- oder Außendienst beeinflussen die genaue Höhe.
Zahlt das Jobcenter die Umschulung zum Versicherungskaufmann?
Nein. Das Jobcenter berät und stellt den Bedarf fest, den Bildungsgutschein stellt die Agentur für Arbeit aus. Das Grundsicherungsgeld läuft während der Umschulung weiter, solange Hilfebedürftigkeit besteht.
Kann man mit 40 noch zum Versicherungskaufmann umschulen?
Ja, eine gesetzliche Altersgrenze für die Förderung gibt es nicht. Die Agentur für Arbeit prüft die Eingliederungsaussichten unabhängig vom Alter, entscheidend sind Eignung und Arbeitsmarktchancen danach.
Quellen: Ausbildungsverordnung VersFinKflAusbV, BERUFENET, Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit, § 81, § 180 und § 87a SGB III. Stand: September 2026