Umschulung Steuerfachangestellte: IHK-Weg für Quereinsteiger

Steuerfachangestellte bzw. Steuerfachangestellter ist ein anerkannter dualer Ausbildungsberuf mit Kammerprüfung. Als Umschulung dauert er meist zwei statt drei Jahre und findet in einer Steuerkanzlei sowie an der Berufsschule statt. Die Agentur für Arbeit fördert die Umschulung über den Bildungsgutschein, das Jobcenter bleibt Ansprechpartner für Beratung und Vermittlung.
Auf dieser Seite lesen Sie, welche Voraussetzungen zählen, wie der Berufsalltag aussieht, welche Weiterbildungen später möglich sind und wie das Jobcenter den Weg zur Förderung mit Grundsicherungsgeld begleitet.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Dauer: Regulär 3 Jahre, als Umschulung um ein Drittel verkürzt auf 2 Jahre (§ 180 Abs. 4 SGB III), Kanzlei und Berufsschule
- Voraussetzungen: kein Schulabschluss gesetzlich vorgeschrieben, Steuerberaterkanzleien verlangen in der Praxis meist einen mittleren Bildungsabschluss und Zahlenverständnis
- Abschluss: Kammerprüfung zum Steuerfachangestellten/zur Steuerfachangestellten nach der Ausbildungsverordnung (StFachAngAusbV), anerkannter Ausbildungsberuf im Bereich freie Berufe
- Förderung: Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit für die verkürzte Umschulung, Weiterbildungsprämie 1.000/1.500 Euro möglich, NIE zahlt das Jobcenter selbst die Umschulung
- Verdienst: Median 3.654 Euro brutto im Monat in Vollzeit (Entgeltatlas der BA, Fachkraftniveau der Berufsgattung 72302, Stichtag 31.12.2025)
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Was macht ein Steuerfachangestellter bzw. eine Steuerfachangestellte?
Steuerfachangestellte unterstützen Steuerberaterinnen und Steuerberater in Kanzleien, in der Wirtschaftsprüfung oder in Unternehmen. Zu den Aufgaben gehören:
- Erstellung von Jahresabschlüssen und Steuererklärungen
- Laufende Buchführung für Mandanten aus Industrie, Handel und Handwerk
- Lohn- und Gehaltsabrechnungen
- Prüfung von Steuerbescheiden und Vorbereitung von Betriebsprüfungen
- Beratung von Mandanten in einfachen steuerlichen Fragen
- Mitwirkung an betriebswirtschaftlichen Auswertungen
Je nach Kanzlei arbeiten Sie für Privatpersonen, kleine Handwerksbetriebe oder größere Unternehmen mit komplexeren Mandaten. Diese Bandbreite macht den Beruf auch für Quereinsteiger interessant, weil sich nach der Ausbildung verschiedene Schwerpunkte wählen lassen, etwa Lohnbuchhaltung, Jahresabschlüsse oder die Beratung von Existenzgründern. Wer bereits kaufmännische Berufserfahrung mitbringt, kann diese oft direkt in der Kanzlei einbringen, etwa im Umgang mit Kunden oder in der Organisation von Abläufen.
Der Beruf verlangt Genauigkeit, Zuverlässigkeit und ein gutes Verständnis für Zahlen und Gesetzestexte. Steuerfachangestellte arbeiten meist im Büro, mit direktem Kontakt zu Mandanten und regelmäßigem Austausch mit dem Finanzamt. Die zunehmende Komplexität des Steuerrechts und wachsende Anforderungen an die Digitalisierung der Buchhaltung erhöhen die Nachfrage nach qualifiziertem Personal in Kanzleien zusätzlich.
Voraussetzungen für die Umschulung zur Steuerfachangestellten
Einen bestimmten Schulabschluss verlangt die Ausbildungsverordnung nicht. In der Praxis erwarten Steuerberaterkanzleien aber meist einen mittleren Bildungsabschluss, Interesse an Zahlen und eine sorgfältige Arbeitsweise. Erste Kenntnisse in Buchhaltung sind hilfreich, aber keine Voraussetzung, da sie während der Umschulung vermittelt werden. Auch der sichere Umgang mit gängigen Office-Anwendungen und Buchhaltungssoftware wird zunehmend erwartet, lässt sich aber ebenfalls während der Umschulung erlernen. Ein Führerschein oder besondere körperliche Voraussetzungen spielen für den Beruf keine Rolle, wichtiger ist die Bereitschaft, sich immer wieder in neue und wechselnde steuerliche Regelungen einzuarbeiten.
Umschulung zur Steuerfachangestellten: Ablauf und Dauer
Die reguläre duale Ausbildung dauert drei Jahre in der Kanzlei und an der Berufsschule. Als Umschulung mit Bildungsgutschein verkürzt sie sich in der Regel um ein Drittel auf zwei Jahre. In der Kanzlei übernehmen Sie zunehmend eigenständig Mandantenaufgaben, an der Berufsschule stehen Steuerrecht, Rechnungswesen und Wirtschaftslehre auf dem Lehrplan. Manche Bildungsträger bieten die Umschulung auch außerbetrieblich an, mit Praxisphasen in wechselnden Kanzleien, sodass Sie unterschiedliche Mandantenstrukturen kennenlernen.
| Weg | Dauer |
|---|---|
| Reguläre duale Ausbildung | 3 Jahre |
| Umschulung (verkürzt) | 2 Jahre |
Förderung mit Grundsicherungsgeld (bis Juni 2026 Bürgergeld) über das Arbeitsamt
Wer Grundsicherungsgeld bezieht und sich zur Steuerfachangestellten umschulen lassen möchte, klärt den Weg zuerst im Gespräch mit der Vermittlungsfachkraft im Jobcenter. Den Bildungsgutschein stellt anschließend die Agentur für Arbeit aus, nicht das Jobcenter selbst, auch wenn im Alltag oft ungenau vom Arbeitsamt die Rede ist.
- Beratungsgespräch bei der Agentur für Arbeit vor Beginn der Umschulung (Pflicht nach Paragraf 81 Abs. 4 SGB III)
- Zusicherung des Bildungsgutscheins, gültig für höchstens drei Monate
- Bewilligung, sobald eine AZAV-zugelassene Kanzlei oder ein Bildungsträger feststeht
- Während der Umschulung läuft das Grundsicherungsgeld weiter, solange Hilfebedürftigkeit besteht
- Nach bestandener Zwischenprüfung, sofern die Ausbildungsordnung eine vorsieht, 1.000 Euro Prämie, nach der Abschlussprüfung weitere 1.500 Euro
- Zusätzlich 150 Euro Weiterbildungsgeld monatlich für Arbeitslose in der Förderung
Bei einer betrieblichen Umschulung zahlt die Kanzlei häufig eine Umschulungsvergütung, die als Einkommen auf das Grundsicherungsgeld angerechnet wird. Bei außerbetrieblichen Umschulungen beim Bildungsträger entfällt diese Vergütung meist, dafür bleibt das Grundsicherungsgeld unverändert. Welche Variante besser passt, betrieblich mit Vergütung oder außerbetrieblich beim Bildungsträger, klärt die Vermittlungsfachkraft im Beratungsgespräch anhand der persönlichen Situation.
Verdienst und Aussichten
Der Median liegt laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit bei 3.654 Euro brutto im Monat in Vollzeit auf Fachkraftniveau. Die Nachfrage nach qualifizierten Steuerfachangestellten bleibt hoch, weil Kanzleien und Unternehmen mit eigener Finanzbuchhaltung Personal für Buchführung, Abschlüsse und Steuererklärungen suchen. Mit Berufserfahrung und einer Weiterbildung, etwa zum Steuerfachwirt oder Bilanzbuchhalter, verbessern sich Aufgabenbereich und Verdienst deutlich. Auch der Wechsel von der Kanzlei in die Steuerabteilung eines Unternehmens ist nach einigen Berufsjahren eine gängige Option, ebenso wie ein Wechsel zwischen kleineren Kanzleien und größeren Wirtschaftsprüfungsgesellschaften.
Alternativen zur Umschulung zur Steuerfachangestellten
Wer sich stärker auf die allgemeine Buchhaltung statt auf Steuerrecht konzentrieren möchte, findet unter Umschulung Buchhalter eine passende Alternative. Für eine Spezialisierung auf Bilanzen oder Finanzbuchhaltung informieren Weiterbildung Bilanzbuchhalter und Weiterbildung Finanzbuchhalter. Wer bereits Steuerfachangestellte ist und sich weiterqualifizieren möchte, findet Fortbildungen unter Weiterbildung Steuerfachangestellte. Alle genannten Wege lassen sich über den Bildungsgutschein fördern, wenn ein AZAV-zugelassener Anbieter sie durchführt. Einen Überblick über die Förderung während einer Umschulung gibt die Seite Geldleistungen.
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Häufige Fragen
Wie lange dauert eine Umschulung zum Steuerfachangestellten?
Als verkürzte Umschulung über den Bildungsgutschein meist zwei Jahre, die reguläre duale Ausbildung drei Jahre. Beide enden mit derselben Kammerprüfung vor der zuständigen Steuerberaterkammer.
Kann man eine Umschulung als Steuerfachangestellte machen?
Ja, über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit, wenn eine AZAV-zugelassene Kanzlei oder ein Bildungsträger die Umschulung anbietet. Ein bestimmter Schulabschluss ist gesetzlich nicht vorgeschrieben, in der Praxis wird aber meist ein mittlerer Bildungsabschluss erwartet.
Wie viel verdient man als Steuerfachangestellter?
Der Median liegt laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit bei 3.654 Euro brutto im Monat in Vollzeit auf Fachkraftniveau. Mit Berufserfahrung und Weiterbildung, etwa zum Steuerfachwirt, sind höhere Gehälter üblich.
Ist die Umschulung zum Steuerfachangestellten online möglich?
Einzelne Theorieanteile bieten manche Bildungsträger online oder als Hybridunterricht an, die praktische Arbeit in der Kanzlei findet aber vor Ort statt. Eine vollständig online absolvierte Umschulung mit Kammerprüfung gibt es bislang nicht.
Zahlt das Arbeitsamt die Umschulung zur Steuerfachangestellten?
Die Agentur für Arbeit übernimmt die Kosten über den Bildungsgutschein, wenn die Umschulung notwendig für die Eingliederung ist und eine zugelassene Kanzlei oder ein Bildungsträger sie anbietet. Das Jobcenter berät vorher und begleitet die Antragstellung, zahlt die Umschulung aber nicht selbst.
Wie schwer ist die Umschulung zum Steuerfachangestellten?
Anspruchsvoll sind vor allem Steuerrecht und Rechnungswesen, die viel Lernaufwand erfordern. Mit Interesse an Zahlen, Sorgfalt und regelmäßigem Lernen ist die Umschulung auch für Quereinsteiger gut zu bewältigen.
Was kommt nach der Umschulung zur Steuerfachangestellten?
Nach der Kammerprüfung arbeiten Sie in einer Kanzlei, der Wirtschaftsprüfung oder in einem Unternehmen. Mit Berufserfahrung stehen Weiterbildungen zum Steuerfachwirt oder Bilanzbuchhalter offen, die zusätzliche Verantwortung, mehr eigenständige Mandantenbetreuung und ein höheres Gehalt bringen.
Quellen: StFachAngAusbV (gesetze-im-internet.de/stfachangausbv_2023/), BERUFENET (web.arbeitsagentur.de/berufenet/beruf/7573), Entgeltatlas (web.arbeitsagentur.de/entgeltatlas/beruf/7573). Stand: September 2026