Umschulung zum Tischler (Schreiner): der Weg für Quereinsteiger

Eine Umschulung zum Tischler oder zur Tischlerin dauert in Vollzeit in der Regel zwei Jahre statt der dreijährigen Ausbildung und endet mit der Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer (HWK). Schreiner ist vor allem in Süd- und Westdeutschland die übliche Bezeichnung für denselben Beruf. Wer Grundsicherungsgeld (bis Juni 2026 Bürgergeld) bezieht, kann die Kosten über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit decken lassen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Dauer: 2 Jahre als geförderte Umschulung in Vollzeit, 3 Jahre als reguläre Ausbildung
- Voraussetzungen: kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben; ein Umschulungsplatz im Betrieb oder bei einem zugelassenen Bildungsträger; handwerkliches Geschick und körperliche Belastbarkeit
- Abschluss: Tischler/-in (Schreiner/-in), anerkannter Ausbildungsberuf im Handwerk
- Förderung: Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit, das Grundsicherungsgeld läuft weiter, bei Arbeitslosigkeit 150 € Weiterbildungsgeld im Monat und bis zu 2.500 € Prämie
- Verdienst: Median 3.355 € brutto im Monat in Vollzeit (Entgeltatlas der BA)
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Was macht ein Tischler bzw. Schreiner? Berufsbild im Handwerk
Tischler und Tischlerinnen stellen Möbel, Türen, Fenster und Treppen aus Holz und Holzwerkstoffen her, meist als Einzelanfertigung nach Kundenwunsch, und beheben Schäden an Möbeln. Sie beraten die Kundschaft, zeichnen Entwürfe von Hand oder mit CAD, sägen, hobeln, fräsen und schleifen, furnieren und behandeln Oberflächen. Auf der Baustelle bauen sie Türen und Fenster sowie Einbaumöbel ein, verlegen Parkett oder montieren Wandverkleidungen. Typische Arbeitsorte sind:
- Tischlereien und Schreinereien, auch Bautischlereien
- Betriebe für Innenausbauten und Ladenbau
- Möbelbau und Holzindustrie
- Messebau und Theaterwerkstätten
Der Alltag wechselt zwischen Werkstatt und Baustelle. In der Werkhalle ist es laut, Holzstaub und Dämpfe von Lacken und Leimen gehören dazu, im Rohbau auch Kälte und Zugluft.
Tischler als Quereinsteiger: Voraussetzungen für die Umschulung
Rechtlich ist keine bestimmte Vorbildung vorgeschrieben. Von den 7.500 Menschen, die 2024 eine Tischlerausbildung begannen, hatten 44 Prozent einen mittleren Abschluss, 35 Prozent die Hochschulreife und 19 Prozent einen Hauptschulabschluss. BERUFENET nennt als Anforderungen handwerkliches Geschick, räumliches Vorstellungsvermögen, zeichnerische Befähigung, Sorgfalt und Umsicht an Kreis- und Bandsägen. Körperlich müssen Rücken, Arme und Hände das Heben schwerer Bauteile verkraften.
Die Agentur für Arbeit kann nach § 81 SGB III fördern, wenn die Umschulung für Ihre Eingliederung notwendig ist, Sie vor Beginn beraten wurden und der Träger nach AZAV zugelassen ist (ein Betrieb braucht die Ausbildungsberechtigung). Ohne verwertbaren Berufsabschluss haben Sie nach § 81 Abs. 2 SGB III einen Anspruch; mit weniger als drei Jahren Berufstätigkeit nur, wenn eine reguläre Ausbildung unzumutbar ist oder ein Engpassberuf vorliegt. Ein Praktikum in einer Tischlerei zeigt, ob Staub, Lärm und Montage zu Ihnen passen.
Wie lange dauert die Umschulung zum Tischler? Vollzeit, Teilzeit, Prüfung
Die reguläre Ausbildungszeit beträgt drei Jahre (§ 2 TischlAusbV). Die Inhalte der Umschulung sind dieselben: Gestalten und Konstruieren, Be- und Verarbeiten von Holz, Einrichten von Maschinen, Oberflächen, Holzschutz sowie Montage und Service. Eine geförderte Umschulung in Vollzeit muss nach § 180 Abs. 4 SGB III um ein Drittel kürzer sein, dauert also in der Regel zwei Jahre. Sie läuft betrieblich mit Berufsschule an ein bis zwei Tagen pro Woche oder im Block, oder als Gruppenumschulung bei einem Bildungsträger mit eigener Werkstatt und Praxisphasen in Betrieben. Die Pflicht zur Verkürzung gilt ausdrücklich für Vollzeitmaßnahmen. Auch Teilzeit ist möglich, etwa als betriebliche Einzelumschulung; die Dauer verlängert sich dann. Kurse zeigt die Weiterbildungssuche mein NOW.
| Schritt | Inhalt | Bedeutung für Sie |
|---|---|---|
| Beginn | Umschulungsvertrag, Anzeige bei der Handwerkskammer (§ 42n HwO) | Der Bildungsgutschein muss vorher vorliegen |
| Zwischenprüfung | ein Werkstück in höchstens sechs Stunden mit Fachgespräch, dazu schriftlich höchstens 150 Minuten | 1.000 € Weiterbildungsprämie; Teilnahme nur auf Antrag |
| Gesellenprüfung | Arbeitsaufgabe I (bis sieben Stunden) und Gesellenstück als Arbeitsaufgabe II (bis 100 Stunden, mit Dokumentation und Fachgespräch); schriftlich vier Prüfungsbereiche | 1.500 € Weiterbildungsprämie und Berufsabschluss |
Die Verordnung von 2006 sieht eine eigene Zwischenprüfung vor (§ 8 TischlAusbV), keine gestreckte Gesellenprüfung. Umschülerinnen und Umschüler werden aber nur auf eigenen Antrag zugelassen (§ 39 Abs. 3 HwO). Stellen Sie den Antrag früh, sonst verschenken Sie 1.000 €. Für das Gesellenstück legen Sie dem Prüfungsausschuss vorab einen fertigungsreifen Entwurf zur Genehmigung vor (§ 9 TischlAusbV).
Umschulung Tischler über das Arbeitsamt: Fördermöglichkeiten mit Grundsicherungsgeld
Seit dem 1. Januar 2025 entscheidet die Agentur für Arbeit (früher Arbeitsamt) auch für Menschen im Grundsicherungsgeld über die Förderung und stellt den Bildungsgutschein aus. Das Jobcenter bleibt Ihr Ansprechpartner für Beratung und Vermittlung. So gehen Sie vor:
- Sprechen Sie Ihre Vermittlungsfachkraft des Jobcenters an (Arbeitsvermittlung) und bringen Sie Belege mit, etwa eine Praktikumsbescheinigung oder die Zusage einer Tischlerei.
- Beim Beratungstermin der Agentur für Arbeit werden die Voraussetzungen geprüft.
- Suchen Sie parallel einen Umschulungsplatz. Fragen Sie Tischlereien auch dann an, wenn sie nur Ausbildungsstellen ausschreiben, oder wählen Sie eine zugelassene Gruppenumschulung.
- Die Agentur stellt den Bildungsgutschein aus, der höchstens drei Monate gilt. Beginnen Sie erst, wenn Sie ihn haben (§ 81 Abs. 4 SGB III).
- Reichen Sie nach bestandener Zwischen- und Gesellenprüfung jeweils den Nachweis bei der Agentur ein.
Ihr Lebensunterhalt läuft über das Grundsicherungsgeld weiter, solange Sie hilfebedürftig sind. Arbeitslosengeld bei Weiterbildung gibt es nur bei einem zusätzlichen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Nach § 87a SGB III erhalten Arbeitslose 150 € Weiterbildungsgeld im Monat, dazu 1.000 € nach der Zwischenprüfung und 1.500 € nach der Gesellenprüfung, die hier als Abschlussprüfung zählt. Beides wird nicht auf das Grundsicherungsgeld angerechnet.
Die Agentur übernimmt die Weiterbildungskosten: Lehrgangsgebühren des Trägers, Lernmittel, Arbeitskleidung, Prüfungsgebühren und laut § 84 SGB III auch Prüfungsstücke. Für das Gesellenstück fällt Material an; klären Sie vorher, wer es bezahlt. Bei auswärtigem Blockunterricht kann die Agentur Unterbringung (bis 420 € im Monat) und Verpflegung (bis 168 € im Monat) zahlen, für aufsichtsbedürftige Kinder 160 € je Kind und Monat. Zahlt der Betrieb eine Vergütung, zählt sie als Einkommen.
Können Sie Ihren bisherigen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben, kann auch die Deutsche Rentenversicherung zuständig sein (siehe Menschen mit Behinderung). Prüfen Sie dann ehrlich, ob Montage, Heben und Holzstaub zu Ihrer Gesundheit passen.
Tischler Gehalt und Aussichten nach der Umschulung
Laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit verdienen Tischler und Schreiner als Fachkräfte in Vollzeit im Median 3.355 € brutto im Monat. Ein Viertel liegt unter 2.892 €, ein Viertel über 3.857 €. Am höchsten ist der Median in Baden-Württemberg mit 3.595 € (Datenstand Entgeltatlas 2025).
BERUFENET erwartet in der Berufsgruppe Holzbe- und -verarbeitung bis 2040 weniger Erwerbstätige. Zugleich gehen überdurchschnittlich viele Ältere in Rente, und Arbeitgeber brauchten 2023 überdurchschnittlich lange, um eine Stelle zu besetzen; bis 2040 soll die Suche noch länger dauern. Als Themen für Anpassungsweiterbildungen nennt BERUFENET unter anderem CNC-Technik, CAD sowie Fenster-, Türen- und Treppenbau.
Naheliegender Aufstieg ist die Meisterprüfung, zugelassen werden Sie mit bestandener Gesellenprüfung (§ 49 HwO); Vorbereitungskurse fördert das Aufstiegs-BAföG. Weitere Wege sind der Techniker Holztechnik oder der Restaurator für Möbel und Holzobjekte. Das Tischlerhandwerk ist zulassungspflichtig: Eine eigene Tischlerei führen Sie etwa mit Meisterbrief oder als Geselle nach sechs Jahren Praxis, davon vier in leitender Stellung (§ 7b HwO).
Alternativen zur Umschulung Tischler: Holz, Bau und Technik
BERUFENET nennt als Ausbildungsalternativen im Holzbereich Zimmerer, Parkettleger, Holzmechaniker in drei Fachrichtungen, Holzbearbeitungsmechaniker und die Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice, alle mit drei Jahren Ausbildung. Wer lieber am Rechner konstruiert, findet Ansätze in der Umschulung zum Bauzeichner oder zum Technischen Produktdesigner. Weitere Berufe zeigt die Übersicht der Umschulungsberufe.
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Häufige Fragen
Kann man die Tischler-Ausbildung nebenberuflich machen?
Neben einem Vollzeitjob in der Regel nicht, denn der Beruf wird im Betrieb gelernt. Möglich ist eine Ausbildung in Teilzeit: Die Arbeitszeit sinkt um höchstens die Hälfte, die Dauer verlängert sich entsprechend, höchstens auf viereinhalb Jahre (§ 27b HwO).
Ist die Umschulung zum Schreiner dasselbe wie zum Tischler?
Ja. BERUFENET führt Schreiner/in als übliche Bezeichnung für denselben Beruf, in der Schweiz heißt er so. Rechtlich gibt es nur einen Ausbildungsberuf, Tischler/Tischlerin nach der Verordnung von 2006. Förderung, Dauer und Gesellenprüfung sind gleich, egal ob der Betrieb sich Tischlerei oder Schreinerei nennt.
Kann man Tischler werden ohne Ausbildung?
Als Helfer ja, den Gesellenbrief gibt es nur mit Prüfung. Nach viereinhalb Jahren Tätigkeit im Beruf lässt die Handwerkskammer Sie als Externen zur Gesellenprüfung zu (§ 37 Abs. 2 HwO). Ab 25 Jahren können Sie mit derselben Berufserfahrung Ihre Fähigkeiten auch in einem Validierungsverfahren feststellen lassen (§ 41b HwO); ein Gesellenbrief ist das nicht.
Kann man mit 40 noch eine Umschulung zum Tischler machen?
Ja, § 81 SGB III nennt keine Altersgrenze. Entscheidend ist, ob die Agentur für Arbeit die Umschulung für Ihre Eingliederung als notwendig ansieht und ob Sie die körperliche Arbeit auf Dauer leisten können. Arbeiten Sie vorher einige Wochen in einer Tischlerei mit.
Wie viel Geld bekommt man während der Umschulung zum Tischler?
In der geförderten Umschulung sichert das Grundsicherungsgeld den Lebensunterhalt, dazu kommen die Prämien und bei Arbeitslosigkeit 150 € Weiterbildungsgeld. Eine Umschulungsvergütung zählt als Einkommen. Wer stattdessen eine reguläre Ausbildung beginnt, erhält eine Vergütung. BERUFENET nennt für das Tischlerhandwerk je nach Bundesland 724 € bis 970 € im ersten und 1.000 € bis 1.170 € im dritten Jahr.
Hat der Tischlerberuf noch Zukunft?
Die Zahl der Erwerbstätigen in der Holzverarbeitung sinkt laut Projektion bis 2040, zugleich scheiden viele Ältere aus und Stellen bleiben länger offen. Der Beruf wird digitaler, etwa durch CNC-Fertigung und CAD. Mit dem Gesellenbrief stehen Meisterschule und Selbstständigkeit offen.
Quellen: TischlAusbV 2006, Handwerksordnung (§§ 7b, 27b, 37, 39, 41b, 42n, 49, Anlage A Nr. 27), SGB III (§§ 81, 83-87a, 180), BERUFENET Tischler/in, Entgeltatlas der BA, BA-Merkblatt 6 Weiterbildung (Januar 2026), Agentur für Arbeit: Weiterbildungsprämie, BA-Hinweise Einzelumschulung, Duden. Stand: September 2026