Umschulung Hebamme: Warum es keine klassische Umschulung gibt

Eine klassische Umschulung zur Hebamme mit Bildungsgutschein gibt es nicht mehr: Seit dem Hebammenreformgesetz 2020 ist der Beruf ein duales Studium und damit nach Paragraf 180 Absatz 3 SGB III nicht über die Agentur für Arbeit förderfähig. Wer Grundsicherungsgeld bezieht, sollte diesen Weg deshalb ehrlich gegen andere, besser förderfähige Berufe im Gesundheitswesen abwägen, statt auf veraltete Informationen zur früheren Ausbildung zu vertrauen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Dauer: Duales Studium Hebammenkunde an Hochschule und Praxiseinrichtung, Regelstudienzeit 3 bis 4 Jahre; ersetzt seit dem Hebammenreformgesetz 2020 die frühere Schulausbildung
- Voraussetzungen: Hochschulzugangsberechtigung nötig; Praxispartner verlangen meist ein Vorpraktikum sowie den Nachweis der gesundheitlichen Eignung
- Abschluss: Bachelor of Science sowie staatliche Erlaubnis zur Berufsausübung als Hebamme nach dem Hebammengesetz; kein Ausbildungsberuf, daher keine Weiterbildungsprämie
- Förderung: Ein Studium ist nach Paragraf 180 Absatz 3 SGB III nicht über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit förderfähig; Studierende erhalten eine Praxisvergütung, BAföG ist zu prüfen
- Verdienst: Median 4.846 Euro brutto im Monat in Vollzeit (Entgeltatlas der BA, Spezialistenniveau, Stichtag 31.12.2025)
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Hebamme oder Entbindungspfleger: Berufsbezeichnung heute
Die Berufsbezeichnung ist seit dem Hebammengesetz geschlechtsneutral gefasst; umgangssprachlich wird weiterhin meist von Hebammen gesprochen, unabhängig vom Geschlecht der studierenden Person. Männer in diesem Beruf heißen offiziell ebenfalls Hebamme, die frühere Bezeichnung Entbindungspfleger wird kaum noch verwendet.
Was macht eine Hebamme?
Hebammen begleiten Frauen und Familien durch Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Sie arbeiten in Kliniken, Geburtshäusern oder freiberuflich in der ambulanten Betreuung, oft im Schichtdienst und mit Rufbereitschaft für Geburten außerhalb der regulären Arbeitszeit. Zu den Kernaufgaben zählen:
- Vorsorgeuntersuchungen und Beratung während der Schwangerschaft
- Geburtshilfe, eigenständig bei unkomplizierten Geburten
- Betreuung von Mutter und Kind im Wochenbett
- Beratung zu Stillen, Ernährung und Babypflege
- Dokumentation und enge Zusammenarbeit mit Ärztinnen und Ärzten bei Komplikationen
- Nachsorge in den Wochen nach der Geburt, auch als Hausbesuch
Hebamme als Quereinsteiger: Warum die Umschulung heute ein Studium ist
Bis 2020 war Hebamme ein schulischer Ausbildungsberuf, der teils auch als verkürzte Umschulung mit Bildungsgutschein möglich war. Das Hebammenreformgesetz hat die Ausbildung europaweit vereinheitlicht und in ein duales Bachelorstudium überführt, um sie an internationale Standards für Gesundheitsfachberufe anzugleichen. Vorausgesetzt wird seitdem eine Hochschulzugangsberechtigung, meist Abitur oder Fachhochschulreife; ohne diese ist ein Zugang über beruflich Qualifizierte in Ausnahmefällen je nach Hochschule möglich, aber nicht die Regel. Wer als Quereinsteiger ohne Hochschulzugangsberechtigung Hebamme werden möchte, muss diese zuerst nachholen, etwa über den zweiten Bildungsweg, bevor das Studium beginnen kann. Diese Zwischenstufe verlängert den Gesamtweg in der Praxis häufig um mehrere Jahre.
Ablauf und Dauer des Hebammenstudiums
Das duale Studium kombiniert Vorlesungen an der Hochschule mit Praxiseinsätzen in Kreissaal, Wochenbettstation und ambulanter Betreuung bei einer Praxiseinrichtung, mit der ein eigener Ausbildungsvertrag geschlossen wird. Die Regelstudienzeit beträgt drei bis vier Jahre, je nach Hochschule und Studienmodell. Studienplätze sind bundesweit begrenzt und werden oft über die Hochschulen selbst vergeben, teils mit eigenen Auswahlverfahren und vorherigem Bewerbungsgespräch bei der Praxiseinrichtung.
| Baustein | Inhalt |
|---|---|
| Theoretisches Studium | Hebammenwissenschaft, Medizin, Recht, wissenschaftliches Arbeiten |
| Praxiseinsätze | Kreissaal, Wochenbett, Schwangerenvorsorge, außerklinische Geburtshilfe |
Förderung mit Grundsicherungsgeld: Warum der Bildungsgutschein hier nicht greift
Ein Studium gilt gesetzlich nicht als Weiterbildung im Sinne des Paragraf 81 SGB III, deshalb stellt die Agentur für Arbeit dafür keinen Bildungsgutschein aus (Paragraf 180 Absatz 3 SGB III). Für Grundsicherungsgeld-Beziehende bedeutet das mehrere praktische Folgen:
- Während des Studiums entfällt das Grundsicherungsgeld in der Regel, weil das Hebammenstudium dem Grunde nach BAföG-förderfähig ist (Paragraf 7 Absatz 5 SGB II).
- Ergänzendes Grundsicherungsgeld ist nur möglich, wenn BAföG tatsächlich bezogen oder beantragt wurde oder nur wegen Einkommen oder Vermögen abgelehnt wurde (Paragraf 7 Absatz 6 Nummer 2 SGB II).
- Ab 45 Jahren gibt es in der Regel kein BAföG mehr (Paragraf 10 Absatz 3 BAföG); der Ausschluss vom Grundsicherungsgeld während des Studiums greift nach der gesetzlichen Regelung aber trotzdem weiter.
- Studierende erhalten für die Praxiseinsätze eine Praxisvergütung von der jeweiligen Praxiseinrichtung, die bei einer Anrechnung als Einkommen zu berücksichtigen ist.
Wer als Grundsicherungsgeld-Beziehende oder Beziehender realistisch in die Geburtshilfe einsteigen möchte, findet mit der Umschulung zur Pflegefachkraft oder zur Kinderpflegerin einen Weg, der über den Bildungsgutschein tatsächlich förderfähig ist und ebenfalls in Kliniken zum Einsatz kommt. Wichtig für die Beratung im Jobcenter: Auch wenn der Bildungsgutschein hier nicht greift, bleibt das Jobcenter Ansprechpartner für die Frage, wie der Lebensunterhalt während eines möglichen Studiums über BAföG, Praxisvergütung oder eine Nebentätigkeit abgesichert werden kann.
Verdienst und Aussichten als Hebamme
Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit weist für das Spezialistenniveau einen Medianverdienst von 4.846 Euro brutto im Monat bei Vollzeit aus, Stand 31.12.2025, deutlich über vielen anderen Gesundheitsfachberufen. Bundesweit fehlen Hebammen, besonders in der freiberuflichen Betreuung und in ländlichen Regionen, sodass die Berufsaussichten nach dem Studium als sehr gut gelten. Freiberuflich tätige Hebammen tragen zusätzlich ein unternehmerisches Risiko, etwa durch Praxis- und Haftpflichtversicherungskosten, was bei der Berufswahl mitbedacht werden sollte.
Wichtig bleibt in jedem Fall ein ehrliches Beratungsgespräch, bevor Zeit und Energie in eine Bewerbung für ein Studium investiert werden, das über den Bildungsgutschein nicht förderfähig ist.
Alternativen zur Umschulung Hebamme
Wer über den Bildungsgutschein gefördert werden möchte, findet mit der Umschulung zur Pflegefachkraft einen verwandten, tatsächlich förderfähigen Weg im Gesundheitswesen mit ähnlichem Praxisbezug und guten Übernahmechancen in Kliniken. Auch die Umschulung zum Krankenpfleger oder die Umschulung zur Kinderpflegerin führen in verwandte Bereiche der Geburts- und Kinderbetreuung. Einen Überblick zur Ausbildung selbst, etwa für jüngere Interessierte direkt nach der Schule mit bereits vorhandener Hochschulzugangsberechtigung, bietet die Seite Ausbildung Hebamme.
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Häufige Fragen
Kann ich als Quereinsteiger noch Hebamme werden?
Ja, aber nur über das duale Studium und mit Hochschulzugangsberechtigung. Ohne Abitur oder Fachhochschulreife müsste diese zunächst nachgeholt werden, bevor ein Studienplatz möglich ist.
Zahlt das Jobcenter die Umschulung zur Hebamme?
Nein. Weder das Jobcenter noch die Agentur für Arbeit fördern ein Studium über den Bildungsgutschein, da Studiengänge nach Paragraf 180 Absatz 3 SGB III von der Förderung ausgenommen sind.
Bekomme ich während des Hebammenstudiums Grundsicherungsgeld?
In der Regel nicht, weil das Studium dem Grunde nach BAföG-förderfähig ist und damit vom Grundsicherungsgeld ausgeschlossen ist (Paragraf 7 Absatz 5 SGB II). Ausnahmen gelten nur in besonderen Fällen nach Paragraf 7 Absatz 6 SGB II.
Wie lange dauert die Ausbildung zur Hebamme heute?
Seit dem Hebammenreformgesetz 2020 handelt es sich um ein duales Studium mit einer Regelstudienzeit von drei bis vier Jahren an einer Hochschule in Kombination mit einer Praxiseinrichtung.
Was verdient eine Hebamme?
Laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit liegt der Median auf Spezialistenniveau bei 4.846 Euro brutto im Monat in Vollzeit, Stand 31.12.2025. Freiberuflich tätige Hebammen rechnen zusätzlich individuell mit den Krankenkassen ab.
Warum heißt es nicht mehr Hebammenausbildung, sondern Hebammenstudium?
Mit dem Hebammenreformgesetz von 2020 wurde die frühere schulische Ausbildung durch ein duales Studium ersetzt, um die deutsche Hebammenausbildung an europäische Standards anzugleichen und den Beruf wissenschaftlich stärker zu fundieren.
Gibt es eine kürzere Alternative zur Hebamme für Quereinsteiger?
Direkt nicht, weil der Beruf ausschließlich über das Studium führt. Eine schnellere, über den Bildungsgutschein förderfähige Alternative im selben Umfeld ist die Umschulung zur Pflegefachkraft mit späterer Spezialisierung auf die Wochenbettpflege.
Quellen: Hebammengesetz (gesetze-im-internet.de/hebg_2020/), BERUFENET (web.arbeitsagentur.de/berufenet/beruf/94218), Entgeltatlas (web.arbeitsagentur.de/entgeltatlas/beruf/94218), Paragraf 7 SGB II (gesetze-im-internet.de/sgb_2/), Paragraf 180 SGB III (gesetze-im-internet.de/sgb_3/), Paragraf 10 BAföG (gesetze-im-internet.de/baf_g/). Stand: September 2026.