Logopädie-Ausbildung für Quereinsteiger: Umschulung zur Logopädin

Die Umschulung zur Logopädin oder zum Logopäden dauert drei Jahre in Vollzeit und endet mit der staatlichen Prüfung an einer staatlich anerkannten Schule für Logopäden. Beziehen Sie Grundsicherungsgeld (bis Juni 2026 Bürgergeld), kann die Agentur für Arbeit die Ausbildung mit einem Bildungsgutschein fördern, in der Regel über die volle Dauer. Erster Ansprechpartner ist Ihre Vermittlungsfachkraft im Jobcenter.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Dauer: 3 Jahre in Vollzeit mit mindestens 1.740 Stunden Unterricht und 2.100 Stunden praktischer Ausbildung.
- Voraussetzungen: mittlerer Schulabschluss oder Hauptschulabschluss plus mindestens zweijährige abgeschlossene Berufsausbildung.
- Abschluss: staatliche Prüfung, danach Erlaubnis zur Berufsbezeichnung Logopädin oder Logopäde.
- Förderung: Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit, 150 € Weiterbildungsgeld im Monat bei Arbeitslosigkeit, 1.500 € Prämie nach bestandener Prüfung.
- Verdienst: Median 3.576 € brutto im Monat in Vollzeit in der Sprachtherapie (Entgeltatlas der BA, Datenstand 2025).
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Was macht ein Logopäde? Das Berufsbild
Logopäden behandeln Menschen mit Sprachstörungen, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen, von Kindern und Erwachsenen bis ins hohe Alter. Sie arbeiten eng mit Ärztinnen und Ärzten zusammen, erheben die Vorgeschichte und klären in der Diagnostik mit Tests Art und Ausprägung der Störung. Danach planen sie die Therapie, wählen geeignete Behandlungsmethoden und dokumentieren den Verlauf. Sie trainieren Aussprache, Sprachverständnis, Atmung und Stimme, helfen Menschen nach einem Schlaganfall, wieder zu sprechen und zu schlucken, und behandeln Kinder mit verzögerter Sprachentwicklung oder Stottern.
Typische Arbeitsorte:
- logopädische Praxis, auch mit Hausbesuchen
- Krankenhaus, etwa in Neurologie, HNO oder Geriatrie
- Rehabilitationsklinik
- Sprachheilkindergärten, Frühförderung und Förderschulen
- psychologische Praxen
- eigene Praxis nach einiger Berufserfahrung
Logopädie als Quereinsteiger: Voraussetzungen für die Umschulung
Das Logopädengesetz (§ 4 Abs. 2 LogopG) verlangt einen Realschulabschluss oder eine gleichwertige Ausbildung. Alternativ genügt ein Hauptschulabschluss, wenn danach eine Ausbildung von mindestens zwei Jahren abgeschlossen wurde. Wer schon einen ersten Beruf gelernt hat, erfüllt die Voraussetzung für den Quereinstieg also oft über die Erstausbildung. Abitur oder Fachhochschulreife sind nicht nötig.
Laut BERUFENET verlangen die Schulen zusätzlich ein ärztliches Attest zur Eignung, ein phoniatrisches oder audiologisches Gutachten beziehungsweise einen HNO-Test und gegebenenfalls ein erweitertes Führungszeugnis. Für die Praxiseinsätze brauchen Sie einen Nachweis über den Masernschutz. Die Schulen wählen selbst aus, meist per Gespräch. Ein Praktikum in einer logopädischen Praxis zeigt Ihnen den therapeutisch geprägten Alltag und stärkt die Bewerbung.
Wie lange dauert die Umschulung zur Logopädin?
Die Ausbildung dauert drei Jahre und ist bundesweit einheitlich geregelt (§ 1 LogAPrO). Die theoretische Ausbildung findet an der Schule statt, die praktische in Praxen, Kliniken und Rehabilitationseinrichtungen.
| Baustein | Umfang | Inhalte |
|---|---|---|
| Theoretischer und praktischer Unterricht | mind. 1.740 Stunden | u. a. Logopädie (480), Phoniatrie (120), Psychologie (120), Anatomie und Physiologie (100) |
| Praktische Ausbildung | 2.100 Stunden | Hospitationen (340), Befunderhebung, Therapieplanung und Therapie unter Anleitung (1.520), Arbeit im therapeutischen Team in Audiologie, Psychologie und Musiktherapie (240) |
| Staatliche Prüfung | am Ende des 3. Jahres | schriftlich (fünf Aufsichtsarbeiten à 90 Minuten), mündlich (fünf Fächer), praktischer Teil (Befund, Behandlungsplan, Behandlung eines bekannten und eines unbekannten Patienten) |
Zur Prüfung zugelassen wird nur, wer einen Erste-Hilfe-Kurs von mindestens 16 Stunden nachweist (§ 4 LogAPrO). Eine Zwischenprüfung gibt es nicht.
Verkürzung: Die zuständige Landesbehörde kann auf Antrag eine andere Ausbildung im Umfang ihrer Gleichwertigkeit anrechnen (§ 4 Abs. 4 LogopG). Ohne gleichwertige Vorbildung dauert auch die Umschulung drei Jahre.
Die Länder dürfen die Ausbildung auch als Studiengang an Hochschulen anbieten (§ 8a LogopG). Ein Studium fördert die Agentur für Arbeit aber nicht per Bildungsgutschein (§ 180 Abs. 3 SGB III).
Umschulung Logopädie über das Arbeitsamt: Förderung mit Grundsicherungsgeld
Seit dem 1. Januar 2025 fördert die Agentur für Arbeit die berufliche Weiterbildung auch für Menschen, die Grundsicherungsgeld beziehen. Das Jobcenter bleibt Ihr Ansprechpartner für Beratung und Vermittlung, den Bildungsgutschein stellt die Agentur aus. Ohne verwertbaren Berufsabschluss besteht nach § 81 Abs. 2 SGB III ein Rechtsanspruch, sonst ist die Förderung eine Ermessensleistung. So gehen Sie vor:
- Sprechen Sie mit Ihrer Vermittlungsfachkraft im Jobcenter über den Berufswunsch.
- Vor Beginn ist eine Beratung durch die Agentur Pflicht (§ 81 Abs. 1 SGB III). Sie prüft, ob die Weiterbildung für Ihre Eingliederung notwendig ist und ob Sie geeignet sind.
- Suchen Sie eine Schule, deren Maßnahme nach AZAV zugelassen ist.
- Die Agentur stellt den Bildungsgutschein aus, der höchstens drei Monate gilt. Lösen Sie ihn vor Beginn bei der Schule ein. Weil sich die Ausbildung ohne anrechenbare Vorbildung nach Bundesrecht nicht verkürzen lässt, ist die volle Dauer von drei Jahren förderfähig (§ 180 Abs. 4 Satz 2 SGB III).
- Während der Umschulung läuft Ihr Grundsicherungsgeld weiter, solange Sie hilfebedürftig sind.
Was übernommen wird
Zu den Weiterbildungskosten gehören Lehrgangskosten mit Schulgeld, Lernmitteln und Prüfungsgebühren, außerdem Fahrkosten; Kosten für auswärtige Unterbringung und Kinderbetreuung (pauschal 160 € je aufsichtsbedürftigem Kind und Monat) kann die Agentur übernehmen (§§ 83 bis 87 SGB III). An öffentlichen Schulen fällt laut BERUFENET in der Regel kein Schulgeld an, an privaten je nach Bundesland und Schule. Arbeitslose erhalten zusätzlich 150 € Weiterbildungsgeld im Monat. Nach bestandener staatlicher Prüfung zahlt die Agentur 1.500 € Weiterbildungsprämie (§ 87a SGB III). Beides rechnet das Jobcenter nicht auf das Grundsicherungsgeld an. Die Prämie von 1.000 € für eine Zwischenprüfung entfällt, weil die LogAPrO keine vorsieht.
Wichtig: Beginnen Sie ohne Bildungsgutschein, gelten Sie als Schülerin oder Schüler. Die schulische Ausbildung ist dem Grunde nach BAföG-förderfähig, deshalb entfällt das Grundsicherungsgeld bis auf einzelne Zuschüsse (§ 7 Abs. 5 SGB II). Ergänzend gezahlt wird es nur, wenn Sie BAföG erhalten, beantragt haben oder allein wegen Einkommen oder Vermögen nicht bekommen (§ 7 Abs. 6 Nr. 2 SGB II). Unterschreiben Sie keinen Schulvertrag, bevor die Finanzierung geklärt ist.
Deutsche Rentenversicherung als Kostenträger
Können Sie Ihren bisherigen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben, kommt die Deutsche Rentenversicherung in Frage, etwa wenn Sie die Wartezeit von 15 Jahren erfüllt haben oder ohne die Leistung eine Erwerbsminderungsrente zu zahlen wäre (§ 11 SGB VI). Ganztägige Weiterbildungen sollen dort in der Regel nicht länger als zwei Jahre dauern (§ 53 SGB IX), drei Jahre sind nur im Einzelfall möglich. Mehr unter Hilfen für Menschen mit Behinderung.
Logopäde Gehalt und Zukunftsaussichten
Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit weist für Beschäftigte in der Sprachtherapie, zu denen Logopäden und studierte Sprachtherapeuten zählen, in Vollzeit einen Median von 3.576 € brutto im Monat aus. Ein Viertel verdient unter 2.979 €, ein Viertel über 4.179 €, unter 25-Jährige kommen auf 3.328 €. Im öffentlichen Dienst nennt BERUFENET tariflich 3.538 bis 3.992 € brutto (TVöD), nach einem Studium mehr.
Laut BERUFENET wird die Zahl der Erwerbstätigen in der Berufsgruppe nicht ärztliche Therapie und Heilkunde bis 2040 zunehmen, und Arbeitgeber brauchten 2023 überdurchschnittlich lange, um Stellen zu besetzen. Nach der Ausbildung können Sie sich fortbilden, einen Bachelor in Logopädie oder Sprachtherapie anschließen, je nach Land auch ohne Abitur oder sich selbstständig machen.
Alternativen zur Umschulung Logopädie
- Umschulung Ergotherapie: ebenfalls drei Jahre mit staatlicher Prüfung, Schwerpunkt Handlungsfähigkeit im Alltag.
- Umschulung Physiotherapeut: drei Jahre, stärker auf Bewegung ausgerichtet.
- Umschulung Erzieher: Arbeit mit Kindern in Kita und Förderkindergarten.
- Umschulung Heilerziehungspfleger: Begleitung von Menschen mit Behinderung.
- Weiterbildung Gebärdensprache: Zusatzqualifikation für die Arbeit mit hörgeschädigten Menschen.
Weitere Wege finden Sie unter Umschulung und Weiterbildung.
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Häufige Fragen
Kann man Logopädie als Quereinsteiger machen?
Ja, aber nur über die dreijährige Ausbildung zum Logopäden mit staatlicher Prüfung, denn die Berufsbezeichnung ist geschützt (§ 1 LogopG). Sie brauchen einen mittleren Schulabschluss oder eine abgeschlossene zweijährige Ausbildung nach der Hauptschule. Im Grundsicherungsgeld ist das mit Bildungsgutschein förderfähig.
Gibt es die Logopädie-Ausbildung in Teilzeit?
Das Logopädengesetz schreibt eine dreijährige Ausbildung vor und kennt keine Teilzeitform. Eine Umschulung in Teilzeit neben dem Job ist deshalb kaum möglich. Bietet eine Schule ein verlängertes Modell an, klären Sie vorher mit Schule, Landesbehörde und Agentur für Arbeit, ob es anerkannt und förderfähig ist.
Geht eine Umschulung Logopädie berufsbegleitend oder per Fernstudium?
Nein. Unterricht, 2.100 Stunden praktische Ausbildung und die staatliche Prüfung finden vor Ort statt, E-Learning ergänzt den Unterricht nur in angemessenem Umfang (§ 1 Abs. 1a LogAPrO). Berufsbegleitende Studiengänge richten sich meist an ausgebildete Logopäden; zur Erlaubnis führt nur ein Studium mit staatlicher Prüfung. Ein Studium ist nicht per Bildungsgutschein förderfähig.
Zahlt das Arbeitsamt die Umschulung zur Logopädin?
Die Agentur für Arbeit kann sie mit einem Bildungsgutschein fördern, auch bei Grundsicherungsgeld, in der Regel über die vollen drei Jahre. Voraussetzung sind eine Beratung vor Beginn, die Notwendigkeit für Ihre Eingliederung und eine nach AZAV zugelassene Maßnahme. Den ersten Schritt gehen Sie über Ihr Jobcenter.
Wie viel kostet die Umschulung zum Logopäden?
An öffentlichen Schulen fällt in der Regel kein Schulgeld an, an privaten hängt es von Bundesland und Schule ab. Mit Bildungsgutschein übernimmt die Agentur Lehrgangskosten, Lernmittel, Prüfungsgebühren und Fahrkosten. Ohne Gutschein zahlen Sie selbst.
Kann ich die Logopädie-Ausbildung mit 40 oder 50 noch machen?
Ja, weder das Logopädengesetz noch der Bildungsgutschein kennen eine Altersgrenze. Ohne Gutschein wird es ab 45 schwierig: Dann gibt es in der Regel kein BAföG (§ 10 Abs. 3 BAföG), das Grundsicherungsgeld entfällt trotzdem bis auf Zuschüsse.
Wie viel verdient man als Logopäde?
Der Median für Beschäftigte in der Sprachtherapie liegt laut Entgeltatlas bei 3.576 € brutto im Monat in Vollzeit. Im öffentlichen Dienst nennt BERUFENET tariflich 3.538 bis 3.992 € (TVöD).
Quellen: Gesetz über den Beruf des Logopäden (LogopG), Ausbildungs- und Prüfungsordnung für Logopäden (LogAPrO), SGB III §§ 81, 83-87a, 180, SGB II § 7, BAföG § 10, § 11 SGB VI, § 53 SGB IX, Fachliche Weisungen §§ 11-11b SGB II, BERUFENET Logopäde/Logopädin (Ausbildung), BERUFENET Logopäde/Logopädin, Entgeltatlas der BA. Stand: September 2026.