Umschulung Buchhalter: Wege für Quereinsteiger ins Rechnungswesen

Umschulung Buchhalter: Wege für Quereinsteiger ins Rechnungswesen
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Eine Umschulung zum Buchhalter im engeren Sinn gibt es nicht: Buchhalter/-in ist kein Ausbildungsberuf, sondern ein Weiterbildungsabschluss, den jeder Bildungsträger selbst regelt. Quereinsteiger kommen auf drei Wegen in die Buchhaltung: mit einer Umschulung zum Kaufmann für Büromanagement oder zur Steuerfachangestellten (in der Regel 24 Monate), mit einem Lehrgang Finanzbuchhaltung oder später über die Prüfung zum Bilanzbuchhalter. Wer Grundsicherungsgeld (bis Juni 2026 Bürgergeld) bezieht, kann die ersten beiden Wege über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit fördern lassen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Dauer: Umschulung in einen kaufmännischen Ausbildungsberuf in der Regel 24 Monate in Vollzeit; Lehrgänge Finanzbuchhaltung je nach Bildungsträger
  • Voraussetzungen: für die Umschulung keine bestimmte Vorbildung vorgeschrieben; für Lehrgänge meist kaufmännische Ausbildung oder Berufspraxis; Beratung durch die Arbeitsagentur vor Beginn
  • Abschluss: Kaufmann/-frau für Büromanagement (IHK) oder Steuerfachangestellte/r (Steuerberaterkammer); nach einem Lehrgang ein Zertifikat des Trägers
  • Förderung: Bildungsgutschein; nur bei der Umschulung bis zu 2.500 € Prämie, bei Arbeitslosigkeit zusätzlich 150 € Weiterbildungsgeld im Monat; für Bilanzbuchhalter Aufstiegs-BAföG
  • Verdienst: Median 4.451 € brutto im Monat in Vollzeit auf Spezialistenniveau (einschließlich Bilanzbuchhalter), Fachkräfte 4.153 € (Entgeltatlas der BA)

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Was macht ein Buchhalter? Aufgaben in Buchhaltung und Controlling

Buchhalter erfassen Geschäftsfälle, kontieren Belege und bereiten Monats-, Quartals- und Jahresabschlüsse vor. Ihre Zahlen dienen der Geschäftsleitung als Entscheidungsgrundlage. Laut BERUFENET arbeiten sie in Unternehmen nahezu aller Wirtschaftsbereiche, meist im Büro, teils im Homeoffice. Typische Aufgaben:

In großen Betrieben sind Buchhalter oft nur für einen Teilbereich zuständig, in kleinen Firmen häufig für das gesamte Rechnungswesen. Laut BERUFENET könnten Kontierungen und Buchungen künftig vermehrt automatisch mit künstlicher Intelligenz laufen.

Buchhalter als Quereinsteiger: Voraussetzungen für Umschulung oder Weiterbildung

Buchhaltung lernen können Quereinsteiger auch ohne Vorkenntnisse. Die Tätigkeit setzt laut BERUFENET aber in der Regel eine abgeschlossene Weiterbildung in der Buchhaltung voraus. Welcher Weg passt, hängt davon ab, was Sie mitbringen.

Ohne Berufsabschluss: Umschulung in einen kaufmännischen Beruf. Bei der Kauffrau oder dem Kaufmann für Büromanagement wählen Sie nach der Ausbildungsverordnung von 2025 zwei Wahlqualifikationen, darunter „Instrumente der kaufmännischen Steuerung und Kontrolle nutzen“. Näher an Steuern und Jahresabschluss liegt die Umschulung zum oder zur Steuerfachangestellten in einer Kanzlei; die Prüfung nimmt die Steuerberaterkammer ab. Ohne verwertbaren Abschluss haben Sie unter den Voraussetzungen des § 81 Abs. 2 SGB III einen Rechtsanspruch auf diese Förderung.

Mit kaufmännischer Ausbildung oder Berufspraxis: Weiterbildung Finanzbuchhaltung. Lehrgänge zum Buchhalter oder Finanzbuchhalter regelt jeder Träger selbst, auch Bezeichnung und Dauer. Zugang ist laut BERUFENET in der Regel eine kaufmännische oder verwaltende Ausbildung und/oder entsprechende Berufspraxis. Das ist die typische Weiterbildung Buchhaltung für Quereinsteiger aus anderen Büroberufen.

Mit kaufmännischem Abschluss oder Erfahrung im Rechnungswesen: Bilanzbuchhalter. Diese Prüfung ist bundesweit geregelt. Zugelassen wird nach § 3 der Verordnung, wer eine dreijährige kaufmännische oder verwaltende Ausbildung (ohne weitere Berufspraxis), einen Fachwirt- oder Betriebswirtabschluss, ein wirtschaftswissenschaftliches Studium mit einem Jahr Berufspraxis oder mindestens fünf Jahre Berufspraxis überwiegend im Finanz- und Rechnungswesen nachweist. Wer vergleichbare Kenntnisse glaubhaft macht, kann ebenfalls zugelassen werden.

Persönlich zählen laut BERUFENET rechnerisches Denken, Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein. Kenntnisse in Mathematik sowie Wirtschaft und Recht erleichtern die Prüfung.

Wie lange dauert die Umschulung zum Buchhalter?

Die Dauer hängt vom Weg ab. Eine geförderte Umschulung in einen dreijährigen Ausbildungsberuf muss nach § 180 Abs. 4 SGB III grundsätzlich um ein Drittel verkürzt sein, dauert in Vollzeit also meist 24 Monate. Nur wenn Sie wegen Ihrer Eignung oder persönlichen Verhältnisse die volle Zeit brauchen, ist sie ungekürzt förderfähig. Für Lehrgänge Finanzbuchhaltung gibt es keine feste Dauer.

WegAbschlussDauerFörderung
Umschulung Kaufmann/-frau für BüromanagementAusbildungsberuf, Prüfung vor der IHKin der Regel 24 MonateBildungsgutschein, Prämie, Weiterbildungsgeld
Umschulung Steuerfachangestellte/rAusbildungsberuf, Prüfung vor der Steuerberaterkammerin der Regel 24 MonateBildungsgutschein, Prämie, Weiterbildungsgeld
Lehrgang Buchhalter oder FinanzbuchhalterZertifikat des Bildungsträgersje nach AngebotBildungsgutschein bei AZAV-Zulassung
Bilanzbuchhalterbundesweit geregelte FortbildungsprüfungLehrgang freiwilligAufstiegs-BAföG, bei AZAV-Zulassung auch Bildungsgutschein möglich

Die Umschulung läuft entweder als betriebliche Einzelumschulung oder beim Bildungsträger mit Praktikum. Bei der Einzelumschulung schließen Sie mit einem ausbildungsberechtigten Betrieb einen Umschulungsvertrag, die Theorie lernen Sie meist ab dem zweiten Jahr in der Berufsschule. Teilzeit ist möglich, dann dauert es länger. Eine der Ausbildungsvergütung vergleichbare Umschulungsvergütung sollte der Betrieb laut BA zahlen.

Büromanagement hat eine gestreckte Abschlussprüfung, Teil 1 heißt „Informationstechnisches Büromanagement“. Steuerfachangestellte legen eine Zwischenprüfung ab, zu der Umschulende nur auf Antrag zugelassen werden (§ 48 Abs. 3 BBiG). Die Bilanzbuchhalterprüfung besteht aus drei schriftlichen Aufgaben von je 240 Minuten und einer mündlichen Prüfung.

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Umschulung Buchhalter über das Arbeitsamt: Förderung mit Grundsicherungsgeld

Seit dem 1. Januar 2025 entscheidet die Agentur für Arbeit (früher Arbeitsamt) auch für Menschen im Grundsicherungsgeld über Umschulung und Weiterbildung und stellt den Bildungsgutschein aus. Das Jobcenter bleibt Ihr erster Ansprechpartner. So gehen Sie vor:

  1. Sprechen Sie Ihre Vermittlungsfachkraft an (Arbeitsvermittlung). Nennen Sie den angestrebten Weg und bringen Sie Nachweise über kaufmännische Tätigkeiten mit.
  2. Die Arbeitsagentur berät Sie und prüft Eignung und Arbeitsmarkt. Ein Lehrgang Finanzbuchhaltung ist eine Ermessensleistung (§ 81 Abs. 1 SGB III). Für die Umschulung ohne verwertbaren Abschluss besteht ein Anspruch, wenn Sie geeignet sind, voraussichtlich erfolgreich teilnehmen und Ihre Chancen verbessern. Wer ohne Abschluss noch keine drei Jahre berufstätig war, wird nur ausnahmsweise gefördert. Als berufliche Tätigkeit zählen dabei auch Jobs ab 15 Wochenstunden, eine abgebrochene Ausbildung oder ein abgebrochenes Studium und die Führung eines Haushalts mit mindestens zwei Personen.
  3. Der Bildungsgutschein legt Ziel, Dauer und Region fest und gilt höchstens drei Monate. Er muss vor Beginn beim Träger vorliegen (§ 81 Abs. 4 SGB III). Zugelassene Angebote finden Sie in mein NOW, der Weiterbildungssuche der BA.
  4. Nach bestandenen Prüfungen reichen Sie die Nachweise ein; dann zahlt die Agentur die Prämien.

Ihr Lebensunterhalt läuft über das Grundsicherungsgeld weiter, solange Sie hilfebedürftig sind. Eine Umschulungsvergütung zählt dabei als Einkommen. Arbeitslosengeld bei Weiterbildung gibt es nur mit zusätzlichem Anspruch auf Arbeitslosengeld. Führt die Umschulung zu einem Ausbildungsberuf wie Büromanagement, zahlt die Agentur nach § 87a SGB III 1.000 € nach der Zwischenprüfung oder Teil 1 und 1.500 € nach der Abschlussprüfung; Arbeitslose und Beschäftigte, die ergänzend Grundsicherungsgeld beziehen, erhalten zusätzlich 150 € Weiterbildungsgeld im Monat. Beides wird nicht auf das Grundsicherungsgeld angerechnet. Ein Lehrgang Finanzbuchhaltung endet nicht mit einem Ausbildungsabschluss: Dort gibt es weder Prämie noch Weiterbildungsgeld.

Übernommen werden Lehrgangskosten, Prüfungsgebühren, Lernmittel und Fahrkosten. Möglich sind außerdem bis zu 160 € je aufsichtsbedürftigem Kind für die Betreuung und bei auswärtiger Unterbringung bis zu 420 € im Monat sowie bis zu 168 € für Verpflegung. Vorbereitungslehrgänge zum Bilanzbuchhalter können nach dem Aufstiegs-BAföG gefördert werden. Müssen Sie aus gesundheitlichen Gründen wechseln, kann die Deutsche Rentenversicherung zuständig sein (siehe Menschen mit Behinderung).

Buchhalter Gehalt und Aussichten

Der Entgeltatlas der BA nennt für Berufe in der Buchhaltung auf Spezialistenniveau, zu denen auch Bilanzbuchhalter zählen, einen Median von 4.451 € brutto im Monat in Vollzeit, die mittlere Hälfte verdient zwischen 3.601 € und 5.641 €. Unter 25-Jährige liegen bei 3.387 €. Fachkräfte in der Buchhaltung, etwa nach einer kaufmännischen Ausbildung, kommen im Median auf 4.153 €. Als tarifliche Grundvergütung nennt BERUFENET beispielhaft 4.004 € bis 4.344 € im Monat.

Die Aussichten sind stabil. In der Berufsgruppe Rechnungswesen, Controlling und Revision bleibt die Zahl der Erwerbstätigen laut BERUFENET bis 2040 nahezu unverändert. 2023 brauchten Arbeitgeber überdurchschnittlich lange, um Stellen zu besetzen, und der Anteil der über 55-Jährigen ist höher als in der Gesamtwirtschaft. Für die Karriere öffnet der Bilanzbuchhalter den Weg zu Führungsaufgaben, mit einem Weiterbildungsabschluss ist je nach Bundesland auch ein Studium ohne Abitur möglich.

Alternativen zur Umschulung Buchhalter: Weiterbildung in Rechnungswesen und Steuern

Wer schon kaufmännisch gearbeitet hat, findet passende Lehrgänge unter Weiterbildung Buchhaltung, Finanzbuchhalter und Lohnbuchhalter. Der nächste Schritt mit Praxis ist der Bilanzbuchhalter, im Steuerbereich der Steuerfachwirt, für Planung und Analyse das Controlling.

Umschulungen mit Berufsabschluss: Kaufmann für Büromanagement, Steuerfachangestellte, Industriekaufmann, Bankkaufmann und im öffentlichen Dienst Verwaltungsfachangestellte. Mehr zeigt die Übersicht der Umschulungsberufe.

Häufige Fragen

Gibt es eine Umschulung zum Bilanzbuchhalter?

Nein. Bilanzbuchhalter ist eine Aufstiegsfortbildung mit Prüfung nach bundesweiter Verordnung, kein Ausbildungsberuf. Zugelassen wird mit dreijähriger kaufmännischer Ausbildung, Fachwirt- oder Betriebswirtabschluss, Studium plus einem Jahr Praxis oder mindestens fünf Jahren Praxis im Rechnungswesen; ausnahmsweise genügen glaubhaft gemachte vergleichbare Kenntnisse. Quereinsteiger machen zuerst eine Umschulung oder sammeln Berufserfahrung. Den Lehrgang fördert das Aufstiegs-BAföG.

Wie kann ich als Quereinsteiger Buchhaltung lernen?

Ohne kaufmännischen Abschluss führt der sicherste Weg über eine Umschulung zum Kaufmann für Büromanagement oder zur Steuerfachangestellten. Mit Büroerfahrung reicht oft ein Lehrgang Finanzbuchhaltung. Kurze Kurse zu Buchführung oder DATEV helfen beim Einstieg, ersetzen aber keinen Abschluss, den Arbeitgeber in der Regel erwarten.

Gibt es die Umschulung zum Buchhalter mit IHK-Abschluss?

Einen bundesweiten IHK-Berufsabschluss „Buchhalter“ gibt es nicht. Einen IHK-Abschluss erreichen Sie über die Umschulung zum Kaufmann für Büromanagement oder später über die Fortbildungsprüfung zum Bilanzbuchhalter. Lehrgänge zum Buchhalter oder Finanzbuchhalter enden mit einem Zertifikat. Auch IHK-Zertifikatslehrgänge wie „Finanzbuchhalter/-in (IHK)“ sind kein öffentlich-rechtlicher Berufs- oder Fortbildungsabschluss.

Kann man die Umschulung zum Buchhalter online machen?

Lehrgänge Finanzbuchhaltung gibt es laut BERUFENET auch im virtuellen Klassenzimmer oder als Fernunterricht. Gefördert wird ein Onlinekurs nur, wenn Angebot und Träger nach AZAV zugelassen sind. Auch die Umschulung zum Kaufmann für Büromanagement bieten Träger im virtuellen Klassenzimmer an; Praxisphasen im Betrieb und die Prüfung vor der IHK gehören aber dazu.

Wie viel Geld bekommt man bei einer Umschulung vom Arbeitsamt?

Das Grundsicherungsgeld läuft weiter, solange Sie hilfebedürftig sind. Bei einer Umschulung in einen Ausbildungsberuf kommen 150 € Weiterbildungsgeld im Monat für Arbeitslose und bis zu 2.500 € Prämie hinzu, anrechnungsfrei. Die Lehrgangskosten zahlt die Agentur für Arbeit über den Bildungsgutschein.

Geht die Umschulung zur Buchhalterin auch berufsbegleitend?

Lehrgänge laufen laut BERUFENET oft abends oder am Wochenende. Eine betriebliche Einzelumschulung ist in Teilzeit möglich und dauert dann länger. Wer schon viereinhalb Jahre als Bürokraft gearbeitet hat, kann ohne Umschulung zur Externenprüfung als Kauffrau für Büromanagement vor der IHK gehen (§ 45 Abs. 2 BBiG). Eine Validierung der Berufserfahrung ergibt dagegen nur eine Bescheinigung.

Quellen: BERUFENET Buchhalter/in, BERUFENET Finanzbuchhalter/in, BERUFENET Bilanzbuchhalter/in, BERUFENET Kaufmann/-frau Büromanagement, BERUFENET Steuerfachangestellte/r, BibuBAProFPrV (§§ 3, 5, 6), BüroMKfAusbV 2025, StFachAngAusbV, SGB III (§§ 81, 86, 87, 87a, 180), BBiG (§§ 45, 48, 50b), Entgeltatlas der BA (Abruf September 2026), BA: Allgemeine Hinweise Betriebliche Einzelumschulung (07/2026), BA-Merkblatt 6 (Januar 2026). Stand: September 2026

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