Umschulung Softwareentwickler: Der Weg über die IHK-Fachinformatik

Einen eigenen Ausbildungsberuf Softwareentwickler gibt es nicht. Wer als Quereinsteiger programmieren lernen und einen anerkannten Abschluss erwerben möchte, macht die Umschulung zum Fachinformatiker bzw. zur Fachinformatikerin in der Fachrichtung Anwendungsentwicklung. Sie dauert regulär drei, als Umschulung meist zwei Jahre und wird über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert.
Auf dieser Seite lesen Sie, welche Voraussetzungen zählen, wie die Umschulung abläuft, was sie kostet und wie das Jobcenter den Weg zur Förderung mit Grundsicherungsgeld begleitet.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Dauer: keinen eigenen Ausbildungsberuf Softwareentwickler, naheliegend ist Fachinformatiker/in Anwendungsentwicklung, regulär 3 Jahre, als Umschulung verkürzt auf 2 Jahre
- Voraussetzungen: kein Schulabschluss gesetzlich vorgeschrieben, Ausbildungsbetriebe erwarten in der Praxis meist einen mittleren Bildungsabschluss und logisches Denkvermögen
- Abschluss: IHK-Prüfung zum Fachinformatiker/zur Fachinformatikerin Fachrichtung Anwendungsentwicklung nach der Ausbildungsverordnung (FIAusbV), anerkannter Ausbildungsberuf
- Förderung: Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit für die verkürzte Umschulung, Weiterbildungsprämie 1.000/1.500 Euro möglich, erster Schritt ist das Jobcenter-Gespräch
- Verdienst: Median 4.612 Euro brutto im Monat in Vollzeit (Entgeltatlas der BA, Fachkraftniveau der Berufsgattung 43412, Stichtag 31.12.2025)
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Was macht ein Softwareentwickler bzw. eine Fachinformatikerin für Anwendungsentwicklung?
Softwareentwicklerinnen und Softwareentwickler planen, programmieren und testen Anwendungen für Unternehmen, Behörden oder Endkunden. Der Berufsalltag ist projektbezogen und findet meist im Team statt. Zu den Aufgaben gehören:
- Anforderungen mit Kunden oder Fachabteilungen klären
- Programmieren in Sprachen wie Java, Python oder C#
- Anbindung und Pflege von Datenbanken
- Testen, Debuggen und Dokumentieren von Software
- Wartung und Weiterentwicklung bestehender Anwendungen
- Zusammenarbeit in agilen Teams, häufig nach Scrum
Ein großer Teil der Arbeitszeit fließt in die Abstimmung mit Kolleginnen und Kollegen, in Codeüberprüfungen sowie in die schrittweise Verbesserung bestehender Systeme. Reines Programmieren im stillen Kämmerlein ist eher die Ausnahme als die Regel.
Die Bezeichnung Softwareentwickler wird in Stellenanzeigen oft als Oberbegriff verwendet und deckt verschiedene Spezialisierungen ab, etwa Webentwicklung, App-Entwicklung oder Backend-Programmierung. Der formale Abschluss dahinter ist in den allermeisten Fällen die Fachinformatik Anwendungsentwicklung. Arbeitgeber sind IT-Dienstleister, Softwarehäuser, aber auch IT-Abteilungen von Industrieunternehmen, Banken, Versicherungen und Behörden, die eigene Anwendungen entwickeln oder anpassen lassen.
Voraussetzungen für die Umschulung zum Softwareentwickler
Einen bestimmten Schulabschluss verlangt die Ausbildungsverordnung nicht. In der Praxis erwarten Ausbildungsbetriebe und Bildungsträger aber meist einen mittleren Bildungsabschluss, logisches Denkvermögen und Interesse an Technik. Bei außerbetrieblichen Umschulungen über einen Bildungsträger prüfen manche Träger vor Beginn mit einem Eingangstest, ob mathematisches und analytisches Denken für die Programmierung ausreicht. Hilfreich, aber keine Pflicht, sind erste Erfahrungen mit Computern und technisches Grundverständnis; reine Programmierkenntnisse werden vor Beginn der Umschulung nicht vorausgesetzt, da sie Teil der Ausbildung sind.
Umschulung zum Softwareentwickler: Ablauf und Dauer
Die reguläre duale Ausbildung dauert drei Jahre und findet im Betrieb und an der Berufsschule statt. Als Umschulung mit Bildungsgutschein verkürzt sie sich in der Regel auf zwei Jahre. Daneben bieten manche Bildungsträger außerbetriebliche Umschulungen an, bei denen Theorie und Praxisprojekte komplett beim Träger stattfinden und die Abschlussprüfung als Externenprüfung vor der IHK abgelegt wird. In beiden Formen wechseln sich Unterrichtsblöcke zu Programmierung, Datenbanken und Projektmanagement mit praktischen Projektarbeiten ab, in denen reale oder realitätsnahe Softwareprojekte umgesetzt werden.
| Weg | Dauer |
|---|---|
| Reguläre duale Ausbildung im Betrieb | 3 Jahre |
| Betriebliche Umschulung (verkürzt) | 2 Jahre |
| Außerbetriebliche Umschulung beim Bildungsträger | meist 2 Jahre |
Förderung mit Grundsicherungsgeld (bis Juni 2026 Bürgergeld)
Wer Grundsicherungsgeld bezieht und sich zum Softwareentwickler umschulen lassen möchte, klärt den Weg zuerst im Gespräch mit der Vermittlungsfachkraft im Jobcenter. Den Bildungsgutschein stellt anschließend die Agentur für Arbeit aus.
- Beratungsgespräch bei der Agentur für Arbeit vor Beginn der Umschulung (Pflicht nach Paragraf 81 Abs. 4 SGB III)
- Zusicherung des Bildungsgutscheins, gültig für höchstens drei Monate
- Bewilligung, sobald ein AZAV-zugelassener Bildungsträger oder ein ausbildungsberechtigter Betrieb feststeht
- Während der Umschulung läuft das Grundsicherungsgeld weiter, solange Hilfebedürftigkeit besteht
- Nach bestandenem Teil 1 der gestreckten Abschlussprüfung 1.000 Euro Prämie, nach Teil 2 (Abschlussprüfung) weitere 1.500 Euro
- Zusätzlich 150 Euro Weiterbildungsgeld monatlich für Arbeitslose in der Förderung
Bei einer betrieblichen Umschulung zahlt der Betrieb häufig eine Umschulungsvergütung, die als Einkommen auf das Grundsicherungsgeld angerechnet wird. Bei außerbetrieblichen Umschulungen beim Bildungsträger entfällt diese Vergütung in der Regel, dafür läuft das Grundsicherungsgeld unverändert weiter. Welche Form besser passt, betrieblich mit Vergütung oder außerbetrieblich beim Bildungsträger, klärt die Vermittlungsfachkraft im Beratungsgespräch anhand der persönlichen Situation und der verfügbaren Plätze in der Region.
Verdienst und Aussichten
Der Median liegt laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit bei 4.612 Euro brutto im Monat in Vollzeit auf Fachkraftniveau. Die Nachfrage nach Fachkräften in der Softwareentwicklung bleibt wegen der fortschreitenden Digitalisierung in den meisten Branchen hoch, von der Industrie über Banken bis zur öffentlichen Verwaltung. Mit Berufserfahrung und Spezialisierung, etwa auf bestimmte Programmiersprachen, Cloud-Systeme oder künstliche Intelligenz, verbessert sich der Verdienst häufig zusätzlich. Auch der Wechsel in ein größeres Unternehmen oder in ein spezialisiertes Softwarehaus kann sich nach den ersten Berufsjahren finanziell deutlich lohnen.
Alternativen zur Umschulung zum Softwareentwickler
Wer sich eher für den Aufbau und Betrieb von IT-Systemen statt für Programmierung interessiert, findet unter Umschulung Fachinformatiker auch die Fachrichtung Systemintegration. Mit Schwerpunkt auf betriebswirtschaftlicher IT passt oft Umschulung Wirtschaftsinformatiker besser. Für Gestaltung und Nutzerführung statt reiner Programmierung informiert Umschulung UX-Designer. Alle drei Wege führen zu anerkannten IHK-Abschlüssen und lassen sich ebenfalls über den Bildungsgutschein fördern. Einen Überblick über die Förderung während einer Umschulung gibt die Seite Geldleistungen. Wer sich unsicher ist, ob Softwareentwicklung zu den eigenen Stärken passt, kann vor der Umschulung ein Praktikum oder eine Potenzialanalyse bei der Agentur für Arbeit vereinbaren.
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Häufige Fragen
Wie viel verdient man als Softwareentwickler?
Der Median liegt laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit bei 4.612 Euro brutto im Monat in Vollzeit auf Fachkraftniveau. Mit Berufserfahrung und Spezialisierung sind höhere Gehälter üblich.
Wie viel kostet eine Umschulung im IT-Bereich?
Mit Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit entstehen für Sie keine Kosten, der Träger rechnet direkt mit der Agentur ab. Ohne Förderung liegen die Kosten bei privaten Bildungsträgern deutlich im vierstelligen Bereich, deshalb lohnt sich vorher das Beratungsgespräch im Jobcenter.
Kann man mit 40 noch eine Umschulung zum Softwareentwickler machen?
Ja, eine Altersgrenze gibt es nicht. Entscheidend sind logisches Denkvermögen, Lernbereitschaft und die gesundheitliche Eignung für eine Bildschirmtätigkeit.
Kann man ohne Studium Softwareentwickler werden?
Ja, über die duale Ausbildung oder Umschulung zum Fachinformatiker Anwendungsentwicklung. Ein Studium ist für die Tätigkeit als Softwareentwickler nicht zwingend, in manchen Unternehmen aber Voraussetzung für bestimmte Positionen.
Zahlt das Arbeitsamt die Umschulung zum Softwareentwickler?
Die Agentur für Arbeit übernimmt die Kosten über den Bildungsgutschein, wenn die Umschulung notwendig für die Eingliederung ist und ein zugelassener Betrieb oder Bildungsträger sie anbietet. Das Jobcenter berät vorher und begleitet die Antragstellung.
Welche Programmiersprache lernt man in der Umschulung?
Üblich sind objektorientierte Sprachen wie Java, C# oder Python sowie Grundlagen zu Datenbanken, Softwarearchitektur und Webtechnologien. Welche Sprachen im Detail unterrichtet werden, hängt vom Betrieb oder Bildungsträger ab und ändert sich mit der technischen Entwicklung.
Wie lange dauert eine Umschulung zum Softwareentwickler?
Als verkürzte Umschulung über den Bildungsgutschein dauert die Fachinformatik Anwendungsentwicklung meist zwei Jahre, die reguläre duale Ausbildung drei Jahre. Außerbetriebliche Umschulungen beim Bildungsträger dauern in der Regel ebenfalls zwei Jahre.
Ist die Umschulung zum Softwareentwickler auch online möglich?
Manche Bildungsträger bieten Theorieanteile online oder als Hybridunterricht an, die Praxisprojekte finden aber meist mit Präsenzzeiten oder in einem Betrieb statt. Ein vollständig ortsunabhängiges Fernstudium ersetzt die IHK-Umschulung mit anerkanntem Abschluss und Bildungsgutschein-Förderung nicht.
Quellen: FIAusbV (gesetze-im-internet.de/fiausbv/FIAusbV.pdf), BERUFENET (web.arbeitsagentur.de/berufenet/beruf/7856), Entgeltatlas (web.arbeitsagentur.de/entgeltatlas/beruf/7856). Stand: September 2026