Polizei Quereinsteiger: Wege ohne klassische Umschulung

Eine Umschulung zur Polizei im klassischen Sinn gibt es nicht: Der Weg in den Polizeidienst führt über die reguläre Bewerbung und einen 2 bis 3 Jahre dauernden Vorbereitungsdienst, den jedes Bundesland in eigenen Verordnungen regelt. Einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gibt es dafür nicht, denn die Ausbildung endet in einem Beamtenverhältnis auf Widerruf. Anwärterinnen und Anwärter erhalten dabei monatliche Bezüge von rund 1.470 bis 1.815 Euro brutto, je nach Bundesland.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Dauer: 2 bis 3 Jahre Vorbereitungsdienst im mittleren Polizeivollzugsdienst, geregelt durch Verordnungen der einzelnen Bundesländer, keine bundeseinheitliche Zahl
- Voraussetzungen: mittlerer Bildungsabschluss, Mindestalter, gesundheitliche und sportliche Eignung, einwandfreies Führungszeugnis, Auswahlverfahren des jeweiligen Bundeslandes
- Abschluss: Laufbahnprüfung am Ende des Vorbereitungsdienstes, danach Übernahme als Polizeivollzugsbeamter/-beamtin auf Probe, Landesbezeichnungen weichen ab
- Förderung: kein Bildungsgutschein und kein AZAV-Träger, die Einstellung läuft über das Auswahlverfahren des Bundeslandes, nicht über eine Jobcenter-Maßnahme
- Verdienst: keine Entgeltatlas-Zahl, da Anwärterbezüge nach dem Landesbesoldungsgesetz gezahlt werden und kein tarifliches Entgelt sind
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Was macht eine Polizeivollzugsbeamtin oder ein Polizeivollzugsbeamter? Berufsfeld und Einsatzmöglichkeiten
Im mittleren Dienst übernehmen Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamte überwiegend den Wach- und Streifendienst bei den Polizeidienststellen der Länder, bei der Bereitschaftspolizei oder bei der Wasserschutzpolizei. Das Berufsfeld gliedert sich grob in Schutzpolizei (Streifen- und Wachdienst) und Kriminalpolizei (Ermittlungen und Strafverfolgung), dazu kommen Spezialeinheiten wie die Diensthundestaffel. Sie arbeiten meist in Einsatzfahrzeugen, im Freien oder in Büroräumen und übernehmen unter anderem folgende Aufgaben:
- Hilfe in Notsituationen leisten und den Wach- und Streifendienst versehen
- Sachverhalte bei Ordnungswidrigkeiten festhalten und Bußgelder verhängen
- Bei Fahndung, Festnahmen und der Aufklärung von Straftaten mitwirken, etwa durch Sicherstellen von Beweisstücken oder Befragen von Zeugen
- Anrufe entgegennehmen, Anzeigen protokollieren und Berichte schreiben
- Unfallstellen absichern, Personalien aufnehmen und den Verkehr regeln oder kontrollieren
Wer einen akademischen Abschluss mitbringt, etwa in Jura, Kriminalistik, Psychologie, Wirtschaft oder Informatik, kommt in mehreren Bundesländern über einen Direkteinstieg in den gehobenen Polizeivollzugsdienst, statt den Weg über den mittleren Dienst zu nehmen. Die genauen Zugangswege und die jeweiligen dualen Studiengänge regelt jedes Bundesland in seinem eigenen Bewerbungsportal.
Voraussetzungen für den Quereinstieg bei der Polizei
Für den mittleren Polizeivollzugsdienst genügt ein mittlerer Bildungsabschluss oder ein Hauptschulabschluss in Verbindung mit einer förderlichen abgeschlossenen Berufsausbildung. Darüber hinaus verlangen alle Bundesländer die beamtenrechtlichen Voraussetzungen und ein mehrstufiges Auswahlverfahren:
- Deutsche Staatsangehörigkeit oder die eines anderen EU-Mitgliedstaats
- Einwandfreies Führungszeugnis und geordnete wirtschaftliche Verhältnisse
- Gesundheitliche und sportliche Eignung, geprüft in einem Sporttest und einer ärztlichen Untersuchung
- Mindest- und Höchstalter, das jedes Bundesland selbst festlegt und im eigenen Bewerbungsportal veröffentlicht
- Bestehen des schriftlichen Einstellungstests und eines Auswahlgesprächs
Wichtig für Sorgfalt und Kommunikationsfähigkeit im Berufsalltag: Wer Protokolle und Berichte exakt anfertigen, mit Bürgerinnen und Bürgern klar kommunizieren und im Team arbeiten kann, bringt gute Voraussetzungen für den Streifendienst mit.
Ablauf und Dauer: Vorbereitungsdienst und Studium bei der Polizei
Der Vorbereitungsdienst kombiniert Unterricht an einer Polizeischule mit praktischen Einsätzen bei Polizeidienststellen und endet mit der Laufbahnprüfung. Je nach Laufbahngruppe unterscheiden sich Dauer und Zugangsweg:
| Laufbahngruppe | Dauer und Zugang |
|---|---|
| Mittlerer Dienst | 2 bis 3 Jahre Vorbereitungsdienst nach mittlerem Bildungsabschluss oder Hauptschulabschluss mit Berufsausbildung |
| Gehobener Dienst | duales Bachelorstudium an einer Hochschule der Polizei, in mehreren Ländern auch als Direkteinstieg für Akademiker/innen |
Am Ende des Vorbereitungsdienstes steht die Laufbahnprüfung. Wer sie besteht, wird zunächst als Polizeivollzugsbeamter oder Polizeivollzugsbeamtin auf Probe übernommen, die genaue Amtsbezeichnung weicht je nach Bundesland ab. Während des Vorbereitungsdienstes wechseln sich fachtheoretische Abschnitte an der Landespolizeischule mit berufspraktischen Studienzeiten bei Polizeidienststellen ab. Auf dem Stundenplan stehen unter anderem Eingriffsrecht, Kriminalistik, Einsatztraining, Verkehrsrecht und Deeskalationstraining, dazu ein umfangreiches Sport- und Fitnessprogramm, weil die körperliche Belastbarkeit während der gesamten Ausbildung geprüft wird. Ergänzt wird die Theorie durch mehrere Praktikumsabschnitte bei Polizeidienststellen, in denen die angehenden Beamtinnen und Beamten das Gelernte unter Anleitung erfahrener Kolleginnen und Kollegen anwenden.
Förderung des Quereinstiegs bei der Polizei: keine Umschulung über das Jobcenter
Weil der Vorbereitungsdienst zu einer Beamtenlaufbahn führt, ist er kein AZAV-zugelassener Lehrgang und deshalb weder über einen Bildungsgutschein noch über eine sonstige Jobcenter-Maßnahme förderfähig. Weiterbildungsprämie und Weiterbildungsgeld nach Paragraf 87a SGB III entfallen ebenfalls, weil es sich nicht um eine Umschulung in einen Ausbildungsberuf handelt. So läuft der Einstieg tatsächlich ab:
- Beim Bewerbungsportal des gewünschten Bundeslandes über Termine, Fristen und Auswahlverfahren informieren
- Bewerbung online einreichen und den mehrstufigen Einstellungstest durchlaufen
- Bei Zusage beginnt der Vorbereitungsdienst als Beamtenverhältnis auf Widerruf, ab diesem Zeitpunkt gibt es Anwärterbezüge statt Arbeitslosengeld oder Grundsicherungsgeld (bis Juni 2026 Bürgergeld)
Bis zur Einstellung bleibt das Jobcenter Ansprechpartner für Beratung, etwa zur Bewerbungsvorbereitung oder zu Bewerbungskosten. Wer während der Wartezeit auf den Einstellungstermin Grundsicherungsgeld bezieht, muss trotzdem der Verpflichtung zur Arbeitsuche nachkommen, da es keine Umschulungsmaßnahme gibt, die diese Zeit abdeckt.
Verdienstmöglichkeiten und Karriere im Polizeidienst
Der monatliche Anwärtergrundbetrag liegt je nach Bundesland zwischen rund 1.470 und 1.815 Euro brutto, ergänzt um mögliche Zulagen, etwa für Schicht- oder Wechseldienst. Nach der Übernahme richtet sich die Besoldung nach dem Landesbesoldungsgesetz, eine bundeseinheitliche Zahl oder ein Entgeltatlas-Wert existiert dafür nicht, weil Beamtenbezüge keine tariflichen Entgelte sind. Laut den Arbeitsmarktprognosen der Bundesagentur für Arbeit wird die Zahl der Erwerbstätigen im Polizeivollzugs- und Kriminaldienst bis 2040 leicht sinken, gleichzeitig verlassen unterdurchschnittlich wenige Beschäftigte den Beruf altersbedingt, sodass offene Stellen im Bundesländervergleich vergleichsweise schnell besetzt werden. Nach einigen Dienstjahren im mittleren Dienst steht ein interner Aufstieg in den gehobenen Dienst offen, wenn die dafür vorgesehene Qualifizierung erfolgreich absolviert wird; auch Spezialisierungen etwa in der Kriminalpolizei, der Verkehrspolizei oder bei Spezialeinheiten sind mit entsprechender Berufserfahrung möglich.
Alternativen zum Quereinstieg bei der Polizei
Wer die Voraussetzungen für den Vorbereitungsdienst nicht erfüllt oder lieber in der Verwaltung arbeiten möchte, findet mit der Umschulung zum Verwaltungsfachangestellten einen Weg in eine ähnlich sichere Laufbahn im öffentlichen Dienst, die über einen Bildungsgutschein förderfähig ist. Daneben schreiben Landespolizeien und die Bundespolizei regelmäßig Tarifstellen für Quereinsteiger/innen ohne Vorbereitungsdienst aus, etwa in Verwaltung, IT oder Werkstätten; solche Stellenangebote für eine Karriere im zivilen Bereich finden Interessierte über die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit oder die Karriereportale der jeweiligen Polizeibehörde. Wer sich direkt für den Vorbereitungsdienst bewerben möchte, findet die Online-Bewerbungsformulare ebenfalls auf diesen Karriereportalen.
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Häufige Fragen
Gibt es eine Umschulung zum Polizisten über das Jobcenter?
Nein. Der Vorbereitungsdienst führt zu einer Beamtenlaufbahn und ist kein AZAV-Lehrgang, deshalb übernimmt weder das Jobcenter noch die Agentur für Arbeit die Kosten. Der Weg führt über die reguläre Bewerbung beim jeweiligen Bundesland.
Ist ein Quereinstieg bei der Polizei möglich?
Ja, über die reguläre Bewerbung und das Auswahlverfahren des Bundeslandes. Wer eine förderliche Berufsausbildung oder einen passenden Studienabschluss mitbringt, hat gute Chancen, unabhängig vom bisherigen Beruf.
Was verdient man als Polizeianwärterin oder Polizeianwärter?
Der monatliche Anwärtergrundbetrag liegt je nach Bundesland stark unterschiedlich aus, dazu kommen gegebenenfalls Zulagen. Nach der Übernahme richtet sich die Besoldung nach dem Landesbesoldungsgesetz.
Welche Voraussetzungen braucht man für den Polizeidienst?
Mittlerer Bildungsabschluss oder Hauptschulabschluss mit Berufsausbildung, ein festgelegtes Mindest- und Höchstalter, gesundheitliche und sportliche Eignung sowie ein einwandfreies Führungszeugnis. Details legt jedes Bundesland selbst fest.
Können Akademikerinnen und Akademiker quer bei der Polizei einsteigen?
Ja, mehrere Bundesländer bieten für Absolventinnen und Absolventen etwa der Rechtswissenschaft, Kriminalistik, Psychologie, Wirtschaft oder Informatik einen Direkteinstieg in den gehobenen Polizeivollzugsdienst an.
Gibt es Jobs bei der Polizei für Quereinsteiger ohne Vorbereitungsdienst?
Ja, Landespolizeien und Bundespolizei stellen auch Tarifbeschäftigte ohne Vorbereitungsdienst ein, etwa in Verwaltung, IT oder Werkstätten. Solche Stellen finden sich über die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit.
Wie lange dauert die Ausbildung bei der Polizei?
Der Vorbereitungsdienst im mittleren Dienst dauert 2 bis 3 Jahre, geregelt durch die Verordnung des jeweiligen Bundeslandes. Der gehobene Dienst führt über ein duales Bachelorstudium an einer Hochschule der Polizei.
Quellen: BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit, Bewerbungsportale der Landespolizeien, § 87a SGB III. Stand: September 2026