Tagesmutter werden: Voraussetzungen, Dauer und Förderung

Tagesmutter oder Tagesvater wird man nicht über eine Ausbildung, sondern über eine Qualifizierung von mindestens 160 Unterrichtseinheiten (DJI-Curriculum) bis zu 300 Unterrichtseinheiten nach dem bundesweit empfohlenen Qualifizierungshandbuch (QHB) - in Nordrhein-Westfalen etwa seit 2022 für neu startende Kindertagespflegepersonen verpflichtend -, plus Pflegeerlaubnis des zuständigen Jugendamts nach § 43 SGB VIII. Kindertagespflegepersonen sind selbstständig tätig und erhalten für die Betreuung eine Geldleistung nach § 23 SGB VIII, kein Angestelltengehalt. Wer Grundsicherungsgeld (bis Juni 2026 Bürgergeld) bezieht, kann die Qualifizierung über einen Bildungsgutschein fördern lassen und für den Start in die Selbstständigkeit Einstiegsgeld beim Jobcenter beantragen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Dauer: mindestens 160 Unterrichtseinheiten (DJI-Curriculum) bis zu 300 Unterrichtseinheiten nach dem Qualifizierungshandbuch (QHB), in einzelnen Ländern wie Nordrhein-Westfalen für neue Kindertagespflegepersonen bereits verpflichtend, dazu Praktikumsanteile
- Voraussetzungen: persönliche Eignung nach § 43 SGB VIII, Erste-Hilfe-Kurs, Führungszeugnis, ausreichend Platz in der eigenen Wohnung für die Betreuung
- Abschluss: Qualifizierungsnachweis des Bildungsträgers und Pflegeerlaubnis des zuständigen Jugendamts, kein staatlich anerkannter Berufsabschluss und keine geschützte Berufsbezeichnung
- Förderung: als Weiterbildung mit Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit förderfähig, wenn Kurs und Träger nach AZAV zugelassen sind, erster Schritt ist das Jobcenter-Gespräch
- Verdienst: keine belastbaren Zahlen, Kindertagespflegepersonen sind selbstständig und erhalten eine Geldleistung nach § 23 SGB VIII, kein Angestelltengehalt
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Was macht eine Tagesmutter oder ein Tagesvater?
Kindertagespflegepersonen betreuen fremde Kinder, meist im eigenen Haushalt, seltener in angemieteten Räumen oder in Großtagespflege mit mehreren Tagespflegepersonen. Zu den typischen Aufgaben zählen:
- Bis zu fünf Kinder gleichzeitig betreuen, altersgerecht fördern und den Alltag strukturieren
- Mahlzeiten zubereiten, Ruhezeiten und Spielangebote organisieren
- Die Entwicklung der Tageskinder beobachten und dokumentieren
- Mit Eltern und dem zuständigen Jugendamt zusammenarbeiten
- Räumlichkeiten kindersicher gestalten und die Aufsichtspflicht wahrnehmen
Die Betreuung findet üblichst im Haushalt der Tagespflegeperson statt, muss dafür aber ausreichend Platz und kindgerecht eingerichtete Räume bieten. Das zuständige Jugendamt prüft dies vor Erteilung der Pflegeerlaubnis vor Ort. Alternativ lässt sich die Kindertagespflege auch in angemieteten Räumen außerhalb der eigenen Wohnung anbieten, etwa wenn mehrere Tagespflegepersonen gemeinsam eine Großtagespflege betreiben und sich Räume, Organisation und Vertretung im Krankheitsfall teilen.
Wer kann Tagesmutter werden? Voraussetzungen
Das Jugendamt erteilt die Pflegeerlaubnis nur, wenn die persönliche und fachliche Eignung nach § 43 SGB VIII vorliegt. Dazu gehören unter anderem ein aktuelles Führungszeugnis, ein Erste-Hilfe-Kurs am Kind, gesundheitliche Eignung und kindgerecht eingerichtete Räumlichkeiten - meist in der eigenen Wohnung, laut § 43 SGB VIII aber nicht zwingend. Fachlich verlangt wird die Qualifizierung nach dem DJI-Curriculum oder einem vergleichbaren, vom Land anerkannten Programm. Persönlich wichtig sind Geduld, Verantwortungsbewusstsein, Organisationstalent und Freude am Umgang mit Kindern. Wer bereits als Erzieherin, Kinderpflegerin oder Sozialassistentin gearbeitet hat, bringt für den Quereinstieg oft gute Grundlagen mit und kann sich Teile der Qualifizierung unter Umständen anrechnen lassen. Auch ein Mindestalter setzen manche Jugendämter voraus, ebenso wie eine gesundheitliche Eignung, die durch ein ärztliches Attest nachzuweisen ist. Wie streng die einzelnen Kriterien ausgelegt werden, unterscheidet sich von Jugendamt zu Jugendamt, weshalb sich ein frühzeitiges Beratungsgespräch vor Ort lohnt.
Wie wird man Tagesmutter? Qualifizierung und Dauer
Die Qualifizierung ist Landesrecht, deshalb unterscheidet sich der genaue Stundenumfang von Bundesland zu Bundesland:
| Programm | Umfang |
|---|---|
| DJI-Curriculum (Grundqualifizierung) | mindestens 160 Unterrichtseinheiten |
| Qualifizierungshandbuch (QHB), z. B. verpflichtend in Nordrhein-Westfalen seit 2022 | 300 Unterrichtseinheiten (160 UE vorbereitend, 140 UE tätigkeitsbegleitend) |
Vermittelt werden unter anderem Entwicklungspsychologie, Bildung und Erziehung von Kindern, rechtliche Grundlagen wie der Schutzauftrag nach § 8a SGB VIII sowie praktische Anteile in einer Kindertagespflegestelle. Nach bestandener Qualifizierung stellt das zuständige Jugendamt die Pflegeerlaubnis aus, die genau festlegt, wie viele Kinder gleichzeitig betreut werden dürfen, meist bis zu fünf.
Tagesmutter werden über das Arbeitsamt: Förderung mit Grundsicherungsgeld
Wer Grundsicherungsgeld bezieht und Tagesmutter werden möchte, klärt beides getrennt im Jobcenter: die Qualifizierung selbst und den Start in die Selbstständigkeit.
- Beratungsgespräch im Jobcenter: Bedarf und Eingliederungsziel klären
- Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit für die Qualifizierung nach DJI-Curriculum oder QHB bei einem nach AZAV zugelassenen Träger
- Pflegeerlaubnis beim zuständigen Jugendamt beantragen
- Für den Start in die selbstständige Tätigkeit als Kindertagespflegeperson kann das Jobcenter Einstiegsgeld nach § 16b SGB II bewilligen; wer stattdessen aus dem Arbeitslosengeld I heraus gründet, beantragt den Gründungszuschuss nach § 93 SGB III bei der Agentur für Arbeit
Wichtig: Weil Kindertagespflege keine Ausbildung im rechtlichen Sinne ist, gibt es keine Weiterbildungsprämie nach § 87a SGB III. Die laufende Geldleistung nach § 23 SGB VIII zählt als Einkommen und wird beim Grundsicherungsgeld berücksichtigt. Das Jobcenter zahlt die Qualifizierung nicht selbst und stellt auch keinen Bildungsgutschein aus, das übernimmt ausschließlich die Agentur für Arbeit.
Verdienst als Tagesmutter
Eine bundesweite Verdienstzahl gibt es nicht, weil Kindertagespflegepersonen selbstständig tätig sind und keinen Tariflohn beziehen. Die laufende Geldleistung nach § 23 SGB VIII setzt sich aus der Erstattung nachgewiesener Sachkosten, einem Betrag für die Förderungsleistung sowie der Erstattung von Beiträgen zur Unfallversicherung und der hälftigen Erstattung von Beiträgen zur Alters- und Kranken-/Pflegeversicherung zusammen. Die Höhe legt die jeweilige Kommune fest, weshalb sie je nach Wohnort und Betreuungsumfang stark schwankt. Wer mehr Kinder gleichzeitig betreut, erzielt in der Regel ein höheres Gesamteinkommen, muss dafür aber auch mehr Räumlichkeiten und Organisation vorhalten. Auch die Zahl der wöchentlichen Betreuungsstunden je Kind wirkt sich direkt auf das Einkommen aus, weshalb sich der tatsächliche Verdienst nur individuell mit dem zuständigen Jugendamt vor Ort klären lässt. Für die Rentenversicherung gelten für Kindertagespflegepersonen besondere Regeln, die sich vor der Gründung bei der Deutschen Rentenversicherung klären lassen. Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge werden über die Geldleistung nach § 23 Abs. 2 Nr. 4 SGB VIII zur Hälfte erstattet, müssen aber wie die Haftpflichtversicherung als Selbstständige selbst organisiert werden, was bei der Kalkulation des tatsächlichen Nettoeinkommens zu berücksichtigen ist.
Alternativen zur Tätigkeit als Tagesmutter
Wer lieber angestellt statt selbstständig arbeiten möchte, ist mit der Umschulung zum Erzieher oder der Umschulung zur Kinderpflegerin gut beraten - beide führen zu einem staatlich anerkannten Abschluss und einem Angestelltenverhältnis in Kita oder Hort. Wer einen kürzeren Einstieg ins soziale Feld mit Kindern und Jugendlichen sucht, findet mit der Umschulung zum Sozialassistenten einen weiteren Weg. Alle Wege unterscheiden sich deutlich von der Kindertagespflege, die in aller Regel selbstständig ausgeübt wird - sie führen stattdessen zu einem Angestelltenverhältnis.
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Häufige Fragen
Wer kann Tagesmutter werden?
Wer die persönliche und fachliche Eignung nach § 43 SGB VIII nachweist: Führungszeugnis, Erste-Hilfe-Kurs, ausreichend Wohnraum und die Qualifizierung nach DJI-Curriculum oder vergleichbarem Programm.
Wie lange dauert es, Tagesmutter zu werden?
Das hängt vom Bundesland ab: Die klassische Grundqualifizierung nach DJI-Curriculum umfasst mindestens 160 Unterrichtseinheiten, mehrere Länder verlangen inzwischen die 300 Unterrichtseinheiten des bundesweiten Qualifizierungshandbuchs (QHB), etwa Nordrhein-Westfalen seit 2022 verpflichtend für alle neu startenden Kindertagespflegepersonen. Dazu kommt die Zeit bis zur Erteilung der Pflegeerlaubnis durch das Jugendamt.
Was zahlt das Jugendamt für eine Tagesmutter?
Eine laufende Geldleistung nach § 23 SGB VIII aus Förderbetrag und Sachkostenerstattung. Die genaue Höhe legt die jeweilige Kommune fest und unterscheidet sich deshalb von Ort zu Ort.
Kann man ohne Ausbildung Tagesmutter werden?
Ja, eine klassische Berufsausbildung ist nicht nötig. Voraussetzung ist die Qualifizierung nach DJI-Curriculum oder QHB sowie die Pflegeerlaubnis des Jugendamts nach § 43 SGB VIII.
Wie viele Kinder darf eine Tagesmutter betreuen?
Das legt die Pflegeerlaubnis fest, meist bis zu fünf Kinder gleichzeitig. In Großtagespflege mit mehreren Tagespflegepersonen können es entsprechend mehr sein.
Ist die Tätigkeit als Tagesmutter selbstständig oder angestellt?
In der Regel selbstständig. Für den Start kann das Jobcenter Einstiegsgeld nach § 16b SGB II bewilligen, aus dem Arbeitslosengeld I heraus kommt stattdessen der Gründungszuschuss nach § 93 SGB III infrage.
Quellen: § 23 SGB VIII, § 43 SGB VIII, § 16b SGB II, § 93 SGB III. Stand: September 2026