Umschulung zum Lokführer: Quereinsteiger, Dauer und Förderung

Die Umschulung zum Lokführer dauert regulär drei Jahre und lässt sich bei entsprechender Eignung auf zwei Jahre verkürzen. Sie endet mit der Abschlussprüfung zum Eisenbahner im Betriebsdienst Lokführer und Transport beziehungsweise zur Eisenbahnerin im Betriebsdienst Lokführerin und Transport. Beziehen Sie Grundsicherungsgeld (bis Juni 2026 Bürgergeld), übernimmt die Agentur für Arbeit die Kosten über einen Bildungsgutschein, wenn die Beratung im Jobcenter das befürwortet.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Dauer: Regulär 3 Jahre, als Umschulung um ein Drittel verkürzt auf 2 Jahre (§ 180 Abs. 4 SGB III), Betrieb und Berufsschule
- Voraussetzungen: kein Schulabschluss gesetzlich vorgeschrieben, Eignungstests zur gesundheitlichen und psychologischen Tauglichkeit sind bei den Eisenbahnunternehmen üblich
- Abschluss: Prüfung zum Eisenbahner im Betriebsdienst Lokführer und Transport beziehungsweise zur Eisenbahnerin im Betriebsdienst Lokführerin und Transport nach der Ausbildungsverordnung (LTAusbV)
- Förderung: Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit für die verkürzte Umschulung, Weiterbildungsprämie 1.000/1.500 Euro möglich, erster Schritt ist das Jobcenter-Gespräch
- Verdienst: Median 4.251 Euro brutto im Monat in Vollzeit (Entgeltatlas der BA, Fachkraftniveau der Berufsgattung 52202, Stichtag 31.12.2025)
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Was macht ein/e Lokführer/in im Personen- und Güterverkehr?
Lokführerinnen und Lokführer - amtlich Eisenbahner im Betriebsdienst Lokführer und Transport beziehungsweise Eisenbahnerin im Betriebsdienst Lokführerin und Transport - bringen Reisende und Güter sicher ans Ziel. Vor der Fahrt prüfen sie Zugdaten und die Verkehrssicherheit des Fahrzeugs, während der Fahrt beachten sie Signale und Geschwindigkeitsvorgaben und reagieren bei Störungen. Im Rangierbetrieb stellen sie Züge zusammen und erstellen Wagenlisten. Ob im Personenverkehr, im Güterverkehr oder in beiden Bereichen, hängt von der Zusatzbescheinigung und vom Arbeitgeber ab.
- Züge im Personen- oder Güterverkehr führen
- Technische Systeme vor und während der Fahrt kontrollieren
- Signale, Fahrpläne und Sicherheitsvorschriften einhalten
- Bei Störungen die Leitstelle informieren und richtig reagieren
- Rangierfahrten durchführen und Züge zusammenstellen
- Auf Triebfahrzeugen, in Betriebswerken und im Freien arbeiten
Der Schichtdienst mit Wechselschichten, früher, später und teils nächtlicher Fahrzeit sowie Wochenend- und Feiertagseinsätzen gehört für Quereinsteiger und Quereinsteigerinnen ebenso zum Berufsalltag wie für regulär Ausgebildete.
Lokführer als Quereinsteiger: Voraussetzungen für die Umschulung
Für den Quereinstieg ist kein bestimmter Ausbildungsberuf vorgeschrieben. Verbindlich sind die Vorgaben der Triebfahrzeugführerscheinverordnung (TfV) für die Fahrberechtigung: mindestens 20 Jahre, für den Einsatz auf Schienenwegen öffentlicher Eisenbahninfrastrukturunternehmen in Deutschland mit medizinisch-psychologischem Gutachten schon ab 18 Jahren, eine abgeschlossene Schulausbildung im Sekundarbereich I sowie gesundheitliche und psychologische Eignung, die ein anerkannter Arzt beziehungsweise Psychologe feststellt (§ 5 TfV). Dazu gehört eine normale Farbwahrnehmung nach dem Ishihara-Test, damit Sie Signale sicher erkennen. Die zuständige Behörde prüft außerdem Ihre Zuverlässigkeit; Suchterkrankungen sowie erhebliche oder wiederholte Verkehrsverstöße schließen die Fahrberechtigung aus. Für die Zusatzbescheinigung schreibt § 5 Abs. 2 TfV zudem Deutschkenntnisse mindestens auf Niveau B1 vor, wenn Sie auf Infrastruktur mit deutscher Betriebssprache fahren; ein in deutscher Sprache abgelegter Schulabschluss reicht dafür bereits aus.
Für die Fahrberechtigung gibt es zwei Klassen: Klasse A für Rangierfahrten und Klasse B für Zugfahrten im Personen- und Güterverkehr (§ 3 TfV). Wer die Umschulung zum Eisenbahner im Betriebsdienst Lokführer und Transport beziehungsweise zur Eisenbahnerin im Betriebsdienst Lokführerin und Transport abschließt, erfüllt die fachlichen Voraussetzungen für den Triebfahrzeugführerschein automatisch mit (§ 5 Abs. 1 Satz 3 TfV).
Wie lange dauert die Umschulung zum Lokführer?
Die Berufsausbildung dauert nach der Lokführer- und Transportausbildungsverordnung (LTAusbV) drei Jahre. Als Umschulung wird sie um ein Drittel verkürzt, in der Regel auf zwei Jahre (§ 180 Abs. 4 SGB III). Die Abschlussprüfung besteht aus zwei Teilen: Teil 1 findet planmäßig im vierten Ausbildungshalbjahr statt, Teil 2 am Ende der Ausbildung; bei einer Verkürzung rückt Teil 1 entsprechend vor.
| Weg | Dauer | Lernort |
|---|---|---|
| Umschulung (verkürzt) | 2 Jahre | Ausbildungsbetrieb und Berufsschule |
| Reguläre Ausbildung | 3 Jahre | Ausbildungsbetrieb und Berufsschule |
| Betriebliche Einzelumschulung in Teilzeit | entsprechend verlängert | Ausbildungsbetrieb, Theorie meist ab dem zweiten Jahr |
Förderung der Umschulung zum Lokführer mit Grundsicherungsgeld
Den Anstoß gibt das Gespräch im Jobcenter, den Bildungsgutschein stellt die Agentur für Arbeit aus.
- Gespräch mit der Vermittlungsfachkraft im Jobcenter: Sie klären Eignung und Bedarf und leiten an die Agentur für Arbeit weiter.
- Beratung und Bildungsgutschein durch die Agentur für Arbeit (§ 81 Abs. 1 SGB III): Voraussetzung ist, dass die Umschulung für Ihre Eingliederung notwendig ist und Maßnahme sowie Bildungsträger AZAV-zugelassen sind. Der Bildungsgutschein gilt höchstens drei Monate, danach folgt die Bewilligung.
- Grundsicherungsgeld läuft während der Umschulung weiter, solange Hilfebedürftigkeit besteht. Zahlt der Ausbildungsbetrieb eine Umschulungsvergütung, wird diese als Einkommen angerechnet.
- Weiterbildungsprämie: 1.000 Euro nach bestandenem Teil 1 der Abschlussprüfung, 1.500 Euro nach bestandener Abschlussprüfung (§ 87a SGB III). Als erwerbsfähige/r Leistungsberechtigte/r erhalten Sie zusätzlich 150 Euro Weiterbildungsgeld im Monat, auch neben einem bestehenden Arbeitsverhältnis (§ 87a Abs. 3 SGB III); beides zählt als privilegiertes Einkommen.
- Ohne Bildungsgutschein bilden die Deutsche Bahn und andere Eisenbahnverkehrsunternehmen Quereinsteiger auch im Rahmen einer betrieblichen Einzelumschulung selbst aus. Dafür braucht der Betrieb keine AZAV-Zulassung, nur eine Anzeige bei der zuständigen Stelle vor Ausbildungsbeginn; üblich ist eine der Ausbildungsvergütung vergleichbare Umschulungsvergütung.
- Andere Kostenträger sind die Ausnahme, etwa die Deutsche Rentenversicherung, wenn gesundheitliche Gründe die bisherige Tätigkeit unmöglich machen.
Für Fahrtkosten, eine auswärtige Unterbringung während der Lehrgangsphasen und Kinderbetreuung kann die Agentur für Arbeit zusätzlich Zuschüsse zahlen (§§ 86, 87 SGB III); ein Rechtsanspruch besteht darauf nicht. Freie Umschulungs- und Quereinsteigerplätze bei den Eisenbahnverkehrsunternehmen finden Sie über mein NOW, die Weiterbildungssuche der Bundesagentur für Arbeit.
Gehalt als Lokführer: Verdienst und Aussichten nach der Umschulung
Bildet ein Eisenbahnunternehmen Sie regulär aus, orientieren sich die Vergütungen an den Ausbildungsjahren: BERUFENET nennt beispielhaft rund 1.325 Euro im ersten, 1.394 Euro im zweiten und 1.463 Euro im dritten Ausbildungsjahr brutto im Monat. Läuft die Umschulung dagegen über den Bildungsgutschein bei einem externen Bildungsträger, erhalten Sie in dieser Zeit keine Ausbildungsvergütung, sondern weiterhin Grundsicherungsgeld, sofern Hilfebedürftigkeit besteht.
Nach der Umschulung liegt der Verdienst laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit im Median bei 4.251 Euro brutto im Monat auf Fachkraftniveau (Berufsgattung 52202, Stichtag 31.12.2025). In der Praxis kommen tarifliche Zuschläge für Schicht-, Sonn- und Feiertagsarbeit hinzu, deren Höhe der jeweilige Tarifvertrag regelt.
Für die Aussichten spricht die Personalsituation: Laut BERUFENET benötigten Arbeitgeber in der Berufsgruppe Fahrzeugführung im Eisenbahnverkehr 2023 unterdurchschnittlich lange, um offene Stellen zu besetzen, und die Zahl der Erwerbstätigen soll bis 2040 weiter zunehmen, während gleichzeitig viele altersbedingt aus dem Beruf ausscheiden. Das macht den Quereinstieg auch mit Vollzeit-Umschulung über das Jobcenter zu einer realistischen Option.
Alternativen zur Umschulung zum Lokführer
Wenn die gesundheitliche oder psychologische Eignung nach der Triebfahrzeugführerscheinverordnung nicht vorliegt oder Sie einen anderen Fahrberuf mit ähnlichem Anforderungsprofil suchen, sind die Umschulung zum Berufskraftfahrer und die Umschulung zum Busfahrer verwandte Wege in den Fahrdienst, ebenfalls mit verkürzter Ausbildungsdauer und Bildungsgutschein förderfähig. Beide Berufe verlangen wie der Lokführerberuf Verantwortungsbewusstsein im Personen- oder Güterverkehr, kommen aber ohne die spezielle Fahrberechtigung nach der Triebfahrzeugführerscheinverordnung aus und eignen sich damit auch, wenn eine der gesundheitlichen Voraussetzungen für den Führerstand fehlt.
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Häufige Fragen
Kann man Lokführer auch ohne abgeschlossene Berufsausbildung werden?
Ja. Die Triebfahrzeugführerscheinverordnung setzt keinen bestimmten Ausbildungsberuf voraus, sondern Mindestalter, Schulausbildung im Sekundarbereich I, gesundheitliche und psychologische Eignung sowie eine bestandene Prüfung. Ohne verwertbaren Berufsabschluss lässt sich die Umschulung sogar als Rechtsanspruch nach § 81 Abs. 2 SGB III fördern.
Was gilt, wenn ich keinen Bildungsgutschein bekomme?
Ohne Bildungsgutschein tragen Sie die Kosten selbst oder nutzen eine betriebliche Einzelumschulung direkt bei einem Eisenbahnunternehmen. Dafür ist keine AZAV-Zulassung nötig, nur eine Anzeige bei der zuständigen Stelle vor Ausbildungsbeginn; üblich ist eine der Ausbildungsvergütung vergleichbare Umschulungsvergütung.
Kann man auch mit 40 oder 50 Jahren noch Lokführer werden?
Ein gesetzliches Höchstalter gibt es nicht, verbindlich ist nur das Mindestalter von 20 beziehungsweise 18 Jahren mit Gutachten. Entscheidend sind die gesundheitliche und psychologische Eignung nach der Triebfahrzeugführerscheinverordnung, nicht das Lebensalter.
Bekomme ich während der Umschulung ein Gehalt?
Das Grundsicherungsgeld läuft weiter, solange Sie hilfebedürftig sind. Bildet Sie ein Eisenbahnunternehmen im Rahmen einer betrieblichen Einzelumschulung aus, kommt in der Regel eine Umschulungsvergütung hinzu, die als Einkommen angerechnet wird.
Fahre ich als Lokführer nur im Personenverkehr oder auch im Güterverkehr?
Beides ist möglich. Die Zusatzbescheinigung zur Fahrberechtigung wird für Klasse A (Rangierfahrten) und Klasse B (Zugfahrten im Personen- und Güterverkehr) erteilt; welche Fahrzeuge und Strecken Sie führen dürfen, hängt vom Arbeitgeber und der jeweiligen Prüfung ab.
Wo finde ich eine Umschulung zum Lokführer in NRW, Hamburg oder Berlin?
Offene Umschulungs- und Quereinsteigerplätze bundesweit, auch in Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Berlin, finden Sie über mein NOW, die Weiterbildungssuche der Bundesagentur für Arbeit, sowie im Gespräch mit Ihrer Agentur für Arbeit vor Ort.
Wie schwer ist der Einstieg als Quereinsteiger?
Fachlich anspruchsvoll, aber machbar: Technisches Verständnis, Konzentrationsfähigkeit und Belastbarkeit sind gefragt, die eigentliche Hürde ist die gesundheitliche und psychologische Eignungsuntersuchung. Wer sie besteht, durchläuft dieselbe Ausbildung wie regulär Auszubildende.
Quellen: Triebfahrzeugführerscheinverordnung (TfV), Lokführer- und Transportausbildungsverordnung (LTAusbV), BERUFENET, Entgeltatlas. Stand: September 2026