Umschulung Elektroniker: Quereinstieg in Handwerk und Industrie

Eine Umschulung zum Elektroniker dauert in Vollzeit meist 28 Monate statt dreieinhalb Jahren und endet mit der Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer oder der Abschlussprüfung vor der IHK. Wer Grundsicherungsgeld (bis Juni 2026 Bürgergeld) bezieht, kann die Kosten über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit fördern lassen. Vorher entscheiden Sie sich für eine Fachrichtung, im Handwerk oder in der Industrie.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Dauer: meist 28 Monate in Vollzeit (um ein Drittel verkürzt), als reguläre Ausbildung 3,5 Jahre
- Voraussetzungen: kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben; Mathematik, Physik und technisches Verständnis; Beratung durch die Arbeitsagentur vor Beginn
- Abschluss: Elektroniker/-in im Handwerk (Handwerkskammer) oder einer der fünf industriellen Elektroberufe (IHK), staatlich anerkannt
- Förderung: Bildungsgutschein, das Grundsicherungsgeld läuft weiter, dazu 150 € Weiterbildungsgeld im Monat und bis zu 2.500 € Prämie
- Verdienst: Median 3.935 € (Gebäudetechnik) bis 4.767 € (Betriebstechnik) brutto im Monat in Vollzeit (Entgeltatlas der BA)
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Elektroniker-Fachrichtungen: Was macht ein Elektroniker in Handwerk und Industrie?
Der Beruf dreht sich um elektrische Anlagen und Systeme: montieren, verdrahten, Schutzmaßnahmen prüfen, Steuerungen konfigurieren und programmieren, Anlagen warten und reparieren. Wer „Elektriker“ sagt, meint meist den Handwerksberuf in der Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik, der 2003 den früheren Elektroinstallateur abgelöst hat. Einen Abschluss „Elektriker“ gibt es nur als zweijährigen Industrieelektriker (IHK). Die Umschulung führt zu einem dieser Berufe:
- Energie- und Gebäudetechnik (Handwerk): Energieversorgung, Beleuchtungstechnik, Datennetze und Gebäudeleitsysteme installieren, Herde anschließen, Heizungs- und Klimasteuerungen einstellen, Ladeinfrastruktur für Elektroautos einbauen.
- Automatisierungs- und Systemtechnik (Handwerk): Sensoren, Bus-Systeme und Netzwerke einrichten, Anlagen testen und Kunden einweisen.
- Betriebstechnik (Industrie, auch Handwerk): Elektroniker für Betriebstechnik installieren Energieanlagen und industrielle Betriebsanlagen, richten Maschinen und Antriebe ein, montieren Schalt- und Steueranlagen und übernehmen die Wartung.
- Automatisierungstechnik (Industrie): automatisierte Prozesse analysieren, Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik einbauen, oft im Maschinenbau.
- Geräte und Systeme (Industrie): Baugruppen und Geräte herstellen, Prüfmaschinen einrichten, Fehlerquellen finden.
- Außerdem: Gebäude- und Infrastruktursysteme sowie Informations- und Systemtechnik.
Arbeitgeber sind Betriebe des Elektrotechniker-Handwerks, Energieversorger, Industriebetriebe mit Produktionsanlagen und das Facility-Management. Im Handwerk prägen Baustelle und Kundschaft den Arbeitsalltag, in der Industrie eher Werkhallen und Produktionsanlagen.
Elektroniker als Quereinsteiger: Voraussetzungen für die Umschulung
Rechtlich schreibt keine Ausbildungsverordnung eine bestimmte Vorbildung vor. In der Praxis bringen die meisten mehr mit: In der Energie- und Gebäudetechnik hatten 2024 von 14.034 Ausbildungsanfängern 52 Prozent einen mittleren Abschluss und 27 Prozent einen Hauptschulabschluss. In der industriellen Betriebstechnik besaßen 29 Prozent die Hochschulreife.
BERUFENET nennt Mathematik und Physik als wichtige Fächer, dazu Sorgfalt beim Prüfen von Sicherheitsfunktionen, Geschick beim Verdrahten und Umsicht an spannungsführenden Teilen.
Gefördert wird nach § 81 SGB III, wenn die Umschulung für Ihre Eingliederung notwendig ist, Sie vorher beraten wurden und Maßnahme und Träger nach AZAV zugelassen sind. Die Förderung ist eine Ermessensleistung. Ohne Berufsabschluss und mit weniger als drei Jahren Berufstätigkeit wird nur ausnahmsweise gefördert; Als berufliche Tätigkeit zählen dabei auch Jobs ab 15 Wochenstunden, eine abgebrochene Ausbildung und die Arbeit im eigenen Haushalt mit mindestens zwei Personen.
Wie lange dauert die Umschulung zum Elektroniker? Vollzeit, Teilzeit und nebenberuflich
Die Ausbildung dauert in allen Fachrichtungen dreieinhalb Jahre. Eine geförderte Umschulung in Vollzeit muss nach § 180 Abs. 4 SGB III grundsätzlich um mindestens ein Drittel kürzer sein, also höchstens 28 Monate dauern (Ausnahmen bei Eignung oder persönlichen Verhältnissen). Sie läuft als betriebliche Einzelumschulung mit Umschulungsvertrag in einem Elektrobetrieb oder als Gruppenumschulung beim Bildungsträger mit Praxisphasen.
Eine reine Abendschule führt nicht zur Prüfung; zugelassen wird nur nach Ausbildung, Umschulung oder langer Berufspraxis (§§ 43, 45 BBiG). Nebenberuflich bleiben drei Wege: eine Umschulung in Teilzeit, die die Arbeitsagentur laut ihren Weisungen fördern kann; eine Ausbildung in Teilzeit mit höchstens halbierter Wochenzeit und bis zur eineinhalbfachen Dauer (§ 7a BBiG, § 27b HwO); oder die Externenprüfung nach fünf Jahren und drei Monaten Berufserfahrung (§ 45 Abs. 2 BBiG, § 37 Abs. 2 HwO). Vorbereitungskurse darauf sind, auch in Teilzeit, mit Bildungsgutschein förderbar.
Beide Prüfungen sind gestreckt: Den Termin für Teil 1 legt die Kammer fest, er zählt schon für die Endnote. Eine eigene Zwischenprüfung entfällt (§ 48 Abs. 2 BBiG, § 39 Abs. 2 HwO).
| Prüfung | Handwerk (ElekAusbV 2021) | Industrie (IndElAusbV) |
|---|---|---|
| Zuständig | Handwerkskammer | IHK |
| Teil 1 | Arbeitsaufgabe mit Fachgespräch und schriftlichen Aufgaben, 10 Stunden; zählt 30 Prozent | komplexe Arbeitsaufgabe, höchstens 8 Stunden; zählt 40 Prozent |
| Teil 2 | Kundenauftrag (16 Stunden), Systementwurf, Funktions- und Systemanalyse, Wirtschafts- und Sozialkunde | Arbeitsauftrag, Systementwurf, Funktions- und Systemanalyse, Wirtschafts- und Sozialkunde |
| Prämie | 1.000 € nach Teil 1 mit mindestens ausreichender Leistung, 1.500 € nach bestandener Prüfung | |
Umschulung Elektroniker über das Arbeitsamt: Förderung mit Grundsicherungsgeld
Seit dem 1. Januar 2025 entscheidet die Agentur für Arbeit (früher Arbeitsamt) auch für Menschen im Grundsicherungsgeld über die Umschulung und stellt den Bildungsgutschein aus. Das Jobcenter bleibt Ihr erster Ansprechpartner. So gehen Sie vor:
- Sprechen Sie Ihre Vermittlungsfachkraft an (Arbeitsvermittlung) und nennen Sie die Fachrichtung. Hilfreich sind ein Praktikum oder die Zusage eines Elektrobetriebs, mit dem Sie einen Umschulungsplatz vereinbaren können.
- Die Arbeitsagentur führt das Beratungsgespräch und prüft Eignung und Arbeitsmarkt. Im Bildungsgutschein legt sie Bildungsziel, Dauer und Region fest; den zugelassenen Träger wählen Sie selbst.
- Der Gutschein gilt höchstens drei Monate, der Träger legt ihn vor Beginn vor (§ 81 Abs. 4 SGB III). Beginnen Sie nie ohne ihn.
- Nach Teil 1 und nach der Abschlussprüfung reichen Sie den Nachweis der Kammer ein. Ein eigener Antrag auf die Prämien ist nicht nötig.
Ihr Lebensunterhalt läuft über das Grundsicherungsgeld weiter, solange Sie hilfebedürftig sind. Arbeitslosengeld bei Weiterbildung gibt es nur mit zusätzlichem Anspruch auf Arbeitslosengeld. Nach § 87a SGB III kommen 150 € Weiterbildungsgeld im Monat dazu, das nicht auf das Grundsicherungsgeld angerechnet wird, sowie 1.000 € Prämie für Teil 1 und 1.500 € für die bestandene Prüfung. In Teilzeit ändern sich beide Beträge nicht.
Übernommen werden Lehrgangskosten, Prüfungsgebühren und Fahrkosten. Bei auswärtiger Unterbringung sind bis zu 420 € im Monat dafür und bis zu 168 € für Verpflegung möglich, für aufsichtsbedürftige Kinder 160 € je Kind. Können Sie Ihren bisherigen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben, kann auch die Deutsche Rentenversicherung zuständig sein (siehe Menschen mit Behinderung).
Elektroniker Gehalt nach der Umschulung und Aussichten
Der Entgeltatlas der BA nennt für Fachkräfte in Vollzeit diese Mediane (brutto im Monat, Stichtag 31.12.2025): Energie- und Gebäudetechnik 3.935 € (ein Viertel unter 3.335 €, ein Viertel über 4.738 €), Geräte und Systeme 4.230 €, Automatisierungstechnik 4.548 €, Betriebstechnik 4.767 €.
Laut BERUFENET brauchten Arbeitgeber 2023 überdurchschnittlich lange, um Stellen in Energietechnik, Elektrotechnik sowie Mechatronik und Automatisierungstechnik zu besetzen. Bis 2040 erwartet BERUFENET in diesen Berufsgruppen weniger Erwerbstätige und gleich lange oder längere Suchzeiten für Fachkräfte. Aufstiege bieten Elektrotechnikermeister, Industriemeister oder staatlich geprüfter Techniker, gefördert über das Aufstiegs-BAföG. Für einen eigenen Betrieb brauchen Sie in der Regel den Meisterbrief, weil das Elektrotechniker-Handwerk zulassungspflichtig ist (Anlage A Nr. 25 HwO).
Alternativen zur Umschulung Elektroniker
Verwandte Wege sind die Umschulung zum Mechatroniker, zum Industriemechaniker oder zum Kfz-Mechatroniker. Wer lieber mit Netzwerken und Software arbeitet, sollte die Umschulung zum Fachinformatiker prüfen. Kürzer ist der zweijährige Industrieelektriker (IHK), als Umschulung 16 Monate. BERUFENET nennt außerdem Elektroanlagenmonteur und Elektroniker für Maschinen und Antriebstechnik. Bewilligt die Agentur keine volle Umschulung, sind berufsanschlussfähige Teilqualifizierungen, wo es sie gibt, ein Einstieg in Modulen bis zur Externenprüfung. Mehr zeigt die Übersicht der Umschulungsberufe.
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Häufige Fragen
Kann man die Elektriker-Ausbildung in der Abendschule machen?
Nicht als reine Abendschule. Wer tagsüber arbeitet, kann eine Ausbildung oder Umschulung in Teilzeit machen oder nach fünf Jahren und drei Monaten einschlägiger Berufserfahrung die Externenprüfung ablegen. Die Vorbereitungskurse darauf können, auch in Teilzeit, über einen Bildungsgutschein gefördert werden.
Umschulung Elektroniker: IHK oder Handwerkskammer?
Das hängt vom Beruf ab. Energie- und Gebäudetechnik sowie Automatisierungs- und Systemtechnik sind Handwerksberufe mit Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer. Betriebstechnik, Automatisierungstechnik sowie Geräte und Systeme sind Industrieberufe mit Abschlussprüfung vor der IHK, Betriebstechnik gibt es auch im Handwerk. Beides sind staatlich anerkannte Berufsabschlüsse.
Wie viel kostet die Umschulung zum Elektroniker?
Die Lehrgangskosten legt der Bildungsträger fest. Mit Bildungsgutschein übernimmt die Agentur für Arbeit sie vollständig, dazu Prüfungsgebühren und Fahrkosten. Ohne Förderung zahlen Sie selbst. Unterschreiben Sie deshalb keinen Vertrag, bevor der Gutschein vorliegt.
Wie hoch ist das Gehalt während der Umschulung zum Elektroniker?
In einer geförderten Umschulung gibt es in der Regel kein Gehalt. Das Grundsicherungsgeld läuft weiter, dazu kommen 150 € Weiterbildungsgeld im Monat und bis zu 2.500 € Prämie. Zahlt ein Betrieb eine Vergütung, zählt sie als Einkommen. Zum Vergleich: Azubis der Metall- und Elektroindustrie erhalten tariflich 1.243 € bis 1.373 € im ersten Jahr (BERUFENET, je nach Bundesland).
Kann man ohne Lehre Elektriker werden?
Als Helfer ja, als Fachkraft nur mit Abschluss. Wer das Eineinhalbfache der Ausbildungsdauer im Beruf gearbeitet hat, kann die Prüfung als Externer ablegen. Seit 2025 gibt es die Berufsvalidierung: Ab 25 Jahren und mit ebenso langer Praxis bescheinigt die Kammer auf Antrag, ob Ihre Erfahrung dem Beruf überwiegend oder vollständig entspricht. Mit vollständiger Vergleichbarkeit können Sie zusätzlich die Prüfung ablegen.
Was ist der Unterschied zwischen Elektriker und Elektroniker?
Elektriker ist meist die Alltagsbezeichnung, Elektroniker der amtliche Berufsname. Wer Hausinstallationen, Beleuchtung und Ladestationen meint, sucht die Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik im Handwerk. Die Industrieberufe arbeiten vor allem an Produktions- und Betriebsanlagen, an Automatisierungstechnik oder in der Geräteherstellung.
Quellen: ElekAusbV 2021, IndElAusbV (industrielle Elektroberufe), SGB III (§§ 81, 83-87a, 180), BBiG (§§ 1, 7a, 45, 48, 50b), HwO (§§ 27b, 37, 39, Anlage A), AFBG, BERUFENET Energie- und Gebäudetechnik, BERUFENET Betriebstechnik, Entgeltatlas der BA, BA: Fachliche Weisungen Weiterbildung (Januar 2026), BA-Merkblatt 6 (Januar 2026), Agentur für Arbeit: Weiterbildungsprämie. Stand: September 2026