Umschulung Krankenpfleger: Quereinstieg zur Pflegefachkraft

Eine Umschulung zum Krankenpfleger heißt seit 2020 offiziell Umschulung zum Pflegefachmann oder zur Pflegefachfrau und dauert in Vollzeit 3 Jahre, also genauso lange wie die reguläre Ausbildung. Anders als bei vielen anderen Umschulungen lässt sich diese Dauer nicht auf zwei Jahre verkürzen. Wer Grundsicherungsgeld (bis Juni 2026 Bürgergeld) bezieht, kann die Umschulung trotzdem über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit fördern lassen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Dauer: 3 Jahre Vollzeit an der Pflegeschule, die Berufsbezeichnung Krankenpfleger wurde 2020 durch die generalistische Ausbildung Pflegefachmann/-frau ersetzt
- Voraussetzungen: mittlerer Bildungsabschluss oder Hauptschulabschluss mit mindestens zweijähriger Berufsausbildung (auch fachfremd) oder einjähriger Pflegehelferausbildung, dazu ärztliches Attest, Führungszeugnis und Nachweis über den Masernschutz
- Abschluss: staatliche Prüfung zum Pflegefachmann/zur Pflegefachfrau nach dem Pflegeberufegesetz (PflBG), Spezialisierung auf Alten- oder Kinderkrankenpflege im letzten Ausbildungsdrittel möglich
- Förderung: als Berufsausbildung mit Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit förderfähig, volle Dauer bleibt bestehen (nicht verkürzbar nach § 180 Abs. 4 Satz 2 SGB III)
- Verdienst: Median 4.587 Euro brutto im Monat in Vollzeit (Entgeltatlas der BA, Stichtag 31.12.2025)
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Was macht ein Pflegefachmann oder eine Pflegefachfrau?
Pflegefachkräfte übernehmen die grundpflegerische und medizinische Versorgung von Menschen in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder ambulanten Pflegediensten. Der Beruf ist seit der Reform 2020 generalistisch angelegt: Statt getrennter Ausbildungen zum Krankenpfleger, Altenpfleger oder Kinderkrankenpfleger gibt es einen gemeinsamen Abschluss, der in allen drei Bereichen einsetzbar ist. Zu den Aufgaben gehören unter anderem:
- Pflegebedarf erfassen, Pflege planen und dokumentieren
- Grundpflege wie Körperpflege, Mobilisation und Ernährung sicherstellen
- Medikamente verabreichen und Wunden versorgen
- Ärztliche Behandlungen vorbereiten und begleiten
- Patienten und Angehörige beraten und anleiten
Im letzten Ausbildungsdrittel kann eine Spezialisierung auf Kinderkrankenpflege oder Altenpflege gewählt werden; ohne diesen Vertiefungseinsatz bleibt der generalistische Abschluss als Pflegefachmann/-frau bestehen, der in allen Versorgungsbereichen anerkannt ist.
Krankenpfleger als Quereinsteiger: Voraussetzungen
Zugang zur Ausbildung hat, wer einen mittleren Bildungsabschluss mitbringt. Auch mit Hauptschulabschluss ist die Ausbildung möglich, wenn zusätzlich eine mindestens zweijährige Berufsausbildung oder eine gleichwertige Vorqualifikation vorliegt, etwa als Pflegehelfer/-in. Hinzu kommen ein ärztliches Attest zur gesundheitlichen Eignung, ein aktuelles Führungszeugnis und der Nachweis über einen ausreichenden Masernschutz. Persönlich braucht der Beruf vor allem körperliche Belastbarkeit, Einfühlungsvermögen und die Bereitschaft zu Schichtdiensten einschließlich Wochenenden und Feiertagen.
Wer bereits in einem anderen Beruf gearbeitet hat und ohne Abschluss dasteht, kommt nach § 81 Abs. 2 SGB III für den nachträglichen Erwerb eines Berufsabschlusses infrage, wenn die übrigen Voraussetzungen der Vorschrift erfüllt sind. Für die reguläre Förderung nach § 81 Abs. 1 SGB III genügt es, dass die Agentur für Arbeit die Umschulung für Ihre berufliche Eingliederung für notwendig hält und Sie vorher beraten wurden.
Wie lange dauert die Umschulung zum Pflegefachmann/zur Pflegefachfrau?
Die Ausbildung dauert in Vollzeit 3 Jahre, verteilt auf Theorie an der Pflegeschule und praktische Einsätze in Krankenhäusern, Pflegeheimen und ambulanten Diensten. Anders als bei vielen Ausbildungsberufen nach dem BBiG lässt sich diese Dauer als Umschulung nicht auf zwei Jahre verkürzen: Das Pflegeberufegesetz sieht dafür keine Kürzung vor, deshalb greift die Ausnahme aus § 180 Abs. 4 Satz 2 SGB III, wonach die volle Dauer förderfähig bleibt, wenn eine Verkürzung nach Bundes- oder Landesrecht nicht möglich ist. Wer bereits eine einjährige Pflegehelferausbildung abgeschlossen hat, kann sich Teile davon auf die Ausbildung anrechnen lassen, das entscheidet die jeweilige Pflegeschule im Einzelfall. Eine Umschulung in Teilzeit ist möglich, verlängert die Gesamtdauer aber entsprechend.
Umschulung Pflege über das Arbeitsamt: Förderung mit Grundsicherungsgeld
Seit dem 1. Januar 2025 entscheidet die Agentur für Arbeit auch für Menschen im Grundsicherungsgeld über die Förderung und stellt den Bildungsgutschein aus. Das Jobcenter bleibt Ihr erster Ansprechpartner und klärt vorab den Bedarf. So gehen Sie vor:
- Gespräch mit der Vermittlungsfachkraft im Jobcenter über den Wunsch zur Umschulung in die Pflege
- Weiterbildungsberatung bei der Agentur für Arbeit vor Ausbildungsbeginn
- Platz an einer staatlich anerkannten, zugelassenen Pflegeschule suchen; die Schule schließt mit Ihnen einen Ausbildungsvertrag für die reguläre Ausbildung
- Bildungsgutschein beantragen und vor Vertragsbeginn bei der Agentur einreichen (§ 81 Abs. 4 SGB III)
Während der Umschulung läuft das Grundsicherungsgeld weiter, solange Hilfebedürftigkeit besteht. Da es sich um eine Berufsausbildung mit mindestens zwei Jahren Regeldauer handelt, kommen nach § 87a SGB III eine Weiterbildungsprämie von 1.000 Euro nach der Zwischenprüfung bzw. dem ersten Teil einer gestreckten Abschlussprüfung sowie 1.500 Euro nach der Abschlussprüfung infrage, dazu 150 Euro Weiterbildungsgeld im Monat für die Dauer der Maßnahme. Zusätzlich übernimmt die Agentur für Arbeit die Lehrgangskosten, notwendige Arbeitskleidung und Fahrkosten; bei auswärtigem Unterricht kann sie Unterbringung und Verpflegung als Kann-Leistung bezuschussen.
Gehalt und Aussichten als Pflegefachmann/Pflegefachfrau
Laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit liegt das Verdienst auf Fachkraftniveau im Median bei 4.587 Euro brutto im Monat in Vollzeit (Stichtag 31.12.2025). Wer eine reguläre Ausbildung statt einer geförderten Umschulung beginnt, erhält vom Ausbildungsbetrieb zusätzlich eine tarifliche Ausbildungsvergütung. Der Bedarf an Pflegefachkräften ist bundesweit hoch, offene Stellen sind laut Bundesagentur für Arbeit oft schneller besetzt als der Durchschnitt aller Berufe, gleichzeitig ist die Konkurrenz um Ausbildungsplätze an gefragten Pflegeschulen und Kliniken spürbar. Wer sich weiterentwickeln möchte, kann später eine Weiterbildung zur Pflegedienstleitung oder zur Stationsleitung anschließen.
Alternativen zur Umschulung Krankenpfleger
Wer den Einstieg in die Pflege zunächst ohne dreijährige Ausbildung testen möchte, findet mit einer Umschulung zum Pflegehelfer einen kürzeren Weg, der sich später teilweise anrechnen lässt. Wer sich auf die Arbeit mit älteren Menschen konzentrieren möchte, ist mit der Umschulung Altenpflege gut beraten; beide Wege führen inzwischen über dieselbe generalistische Pflegeausbildung. Wer bereits in der Pflege arbeitet und sich auf ein Fachgebiet spezialisieren will, findet mit einer Weiterbildung Behandlungspflege oder Weiterbildung Palliative Care passende Angebote. Mit Hochschulzugangsberechtigung ist außerdem ein Pflegestudium möglich, das allerdings nicht mit Bildungsgutschein gefördert wird.
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Häufige Fragen
Wie lange dauert eine Umschulung zur Krankenpflegerin?
3 Jahre in Vollzeit, genauso lange wie die reguläre Ausbildung. Eine Verkürzung auf zwei Jahre wie bei vielen anderen Umschulungen ist hier nicht möglich, weil das Pflegeberufegesetz keine allgemeine Kürzung vorsieht.
Kann man eine Umschulung zur Krankenschwester machen?
Die Berufsbezeichnung Krankenschwester bzw. Krankenpfleger gibt es seit 2020 nicht mehr, der Abschluss heißt Pflegefachmann/Pflegefachfrau. Inhaltlich ist die Umschulung dieselbe, nur breiter angelegt und für Kranken-, Alten- und Kinderkrankenpflege gemeinsam gültig.
Kann man mit 40 noch umschulen?
Ja, § 81 SGB III nennt keine Altersgrenze. Entscheidend ist, ob die Agentur für Arbeit die Umschulung für Ihre Eingliederung als notwendig ansieht und ob Sie die körperlichen Anforderungen des Berufs auf Dauer erfüllen können.
Kann man als Quereinsteiger in der Pflege anfangen?
Ja, ein vorheriger Beruf ist kein Hindernis. Gefragt sind vor allem der Bildungsabschluss, Führungszeugnis, Masernschutz und die persönliche Eignung. Ein Praktikum vor der Bewerbung zeigt Ihnen und der Pflegeschule, ob der Berufsalltag zu Ihnen passt.
Ist die Umschulung Pflege schulisch oder betrieblich organisiert?
Die Ausbildung ist schulisch-praktisch verzahnt: Theorie findet an der Pflegeschule statt, die praktischen Einsätze absolvieren Sie in Krankenhäusern, Pflegeheimen und ambulanten Diensten, mit denen die Schule kooperiert. Formal schließen Sie einen Ausbildungsvertrag mit dem Träger der praktischen Ausbildung.
Welche Voraussetzungen braucht man für die Umschulung Pflege?
In der Regel einen mittleren Bildungsabschluss, ersatzweise Hauptschulabschluss mit einschlägiger Berufsausbildung, dazu ärztliches Attest, Führungszeugnis und Nachweis über den Masernschutz.
Was verdient man als Pflegefachkraft nach der Umschulung?
Der Median liegt laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit bei 4.587 Euro brutto im Monat in Vollzeit (Stichtag 31.12.2025). Das genaue Gehalt hängt von Einrichtung, Tarifbindung und Berufserfahrung ab.
Zahlt das Jobcenter die Umschulung zum Pflegefachmann?
Nein. Das Jobcenter berät und stellt den Bedarf fest, die Förderung entscheidet die Agentur für Arbeit, die auch den Bildungsgutschein ausstellt. Das Grundsicherungsgeld läuft während der Umschulung weiter, solange Hilfebedürftigkeit besteht.
Quellen: Pflegeberufegesetz (PflBG), Pflegeausbildungs- und Prüfungsverordnung (PflAPrV), § 180 SGB III, § 81 SGB III, § 87a SGB III, BERUFENET, Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit. Stand: September 2026